Alfredo Germont

Wenn es jeman­den gibt, der von Anbe­ginn in die Opern­aus­flü­ge des Uni­ver­si­täts­or­ches­ters invol­viert war, so ist es wohl Johann Pen­ner. Ob er je eine Chan­ce hat­te, sich dem zu ent­zie­hen? Ich weiß es nicht. Wir sind wie ein altes Ehe­paar – nur zu dritt. Micha­el Hoyer, Johann Pen­ner und ich haben nicht nur Oper, son­dern auch zahl­rei­che Ora­to­ri­en und Lie­der­aben­de mit­ein­an­der bestrit­ten. Die Inten­si­tät hat dabei immer zuge­nom­men, und wir ken­nen uns mitt­ler­wei­le so gut, dass musi­ka­li­sche Inten­ti­on und tech­ni­sche Umset­zung des ande­ren eben­so ver­traut schei­nen wie die eige­ne Stim­me.

Die Opern­ge­schich­te nahm mit dem Frei­schütz ihren Anfang. Als Max beein­druck­te Johann mit der immen­sen Leucht­kraft sei­ner Stim­me und wur­de ins­be­son­de­re den hel­di­schen Pas­sa­gen die­ser Rol­le mehr als gerecht. Der Tami­no in der Zau­ber­flö­te 2012 stell­te ihn dann vor neue Her­aus­for­de­run­gen, steht bei Mozart doch bereits eine Art Bel­can­to im Vor­der­grund, ein lega­tis­si­mo flie­ßen­der Schön­ge­sang. War es hier zum ers­ten Mal, dass ich den Schmelz in sei­ner Stim­me wahr­nahm? Das weiß ich nicht mehr. Dafür erin­ne­re ich mich gen­au an jenen Moment am Ende der Pre­mie­re, in dem wir uns gegen­über­stan­den, die Feu­er- und Was­ser­pro­be absol­viert hat­ten, und glück­li­ch, erleich­tert und erschöpft waren.

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Wird es in der Tra­viata ähn­li­ch sein? Der Alfre­do ver­langt Johann die Ver­ei­ni­gung der bei­den vor­he­ri­gen Par­ti­en ab. Lyri­scher Schmelz und dra­ma­ti­sche Strahl­kraft, Inners­tes nach Außen gewandt – das ist es, und nicht weni­ger, was Ver­di sei­nen Haupt­dar­stel­lern abver­langt. Aber eins ist gewiss: Mit einem Kol­le­gen wie Johann Pen­ner an der Sei­te ist es pure Freu­de, sich die­ser Her­aus­for­de­rung zu stel­len.

Der musi­ka­li­sche Weg Johann Pen­ners zeich­ne­te sich von Beginn an durch Viel­sei­tig­keit aus. Er stu­dier­te sowohl Schul­mu­sik als auch Gesang an den künst­le­ri­schen Hoch­schu­len in Wei­mar und Det­mold und ver­steht es noch heu­te, das päd­ago­gi­sche und das künst­le­ri­sche Feld frucht­bar mit­ein­an­der zu ver­knüp­fen; so hat­te er bei­spiels­wei­se von 2009 – 2010 einen Lehr­auf­trag für Gesang an der Hoch­schu­le für Musik in Müns­ter inne.

Schon wäh­rend sei­nes Gesang­stu­di­ums, wel­ches er erfolg­reich 2009 bei Wolf­gang Tie­mann abschloss, mach­te er sich in der Regi­on als Kon­zert- und Ora­to­ri­en­sän­ger einen Namen, und so zäh­len heu­te neben zahl­rei­chen Kan­ta­ten Johann Sebas­ti­an Bachs auch des­sen Pas­sio­nen sowie nahe­zu sämt­li­che bedeu­ten­den Ora­to­ri­en Hän­dels, Haydns oder Ros­si­nis in sein breit gefä­cher­tes Reper­toire. Sei­ne teno­ra­le Strahl­kraft wird dabei ins­be­son­de­re in Bezug auf Beet­ho­vens 9. Sin­fo­nie stets als her­aus­ra­gend emp­fun­den.

Auch für das Opern­fach kom­men ihm Schmelz und stimm­li­che Prä­senz zu Gute, so begeis­ter­te er unter ande­rem schon mehr­fach als Tami­no in der Zau­ber­flö­te (u.a. am Lan­des­thea­ter Det­mold) sowie als Max im Frei­schütz oder als Fili­pe­to in Die vier Gro­bia­ne.