Violetta Valéry

Zwei­fels­oh­ne ist Lara Veng­haus das Ener­gie­bün­del und All­round­ta­lent in unse­rer La Tra­viata Pro­duk­ti­on. Dem Publi­kum wird sie eine wun­der­ba­re Vio­let­ta Valé­ry bie­ten, die Titel­rol­le, wel­che sie neben ihrem Wahl­ten­or Johann Pen­ner bis zum letz­ten Atem­zug der Vio­let­ta hin­ge­bungs­voll sin­gen wird. Was den meis­ten Zuschau­ern jedoch ver­bor­gen bleibt, sind ihre vie­len zusätz­li­chen Rol­len hin­ter den Kulis­sen. Sie gehört zum Regie­team, küm­mert sich um den Wit­te­ner Chor, die Kos­tüm- und Büh­nen­de­signs, hat immer ein offe­nes Ohr für alle und denkt auch an die Ver­pfle­gung ihrer Mit­strei­ter. „Für die Pau­se habe ich Kuchen mit­ge­bracht – der Chor hat Vor­rang!“ Die­se Worte haben wir Chor­sän­ger alle mit einem seli­gen Lächeln quit­tiert – und das Orches­ter hat davon zum Glück gar nichts mit­be­kom­men. Die­se Aus­sa­ge ist natür­li­ch mit einem Zwin­kern zu ver­ste­hen, denn natür­li­ch küm­mert sich Lara auch um die Orches­ter­mu­si­ker.

Wir befan­den uns gera­de mit­ten in einer sze­ni­schen Pro­be mit Solis­ten und Chor, alle noch ver­tieft in Ver­dis Noten­text, wer weiß schon, die wie­viel­te Wie­der­ho­lung es war (Wer zählt die über­haupt? Wir wol­len schließ­li­ch alle eine for­mi­da­ble Tra­viata  auf die Audi­max-Büh­ne brin­gen!), als Lara plötz­li­ch rief: „Kommt doch alle mal um den Flü­gel! Wir sin­gen jetzt ein­fach mal nur.“ Die Jam-Ses­si­on mit Micha­el Hoyer am Kla­vier ging los. Immer noch mit Noten­text aber einer rie­si­gen Por­ti­on Spaß. Zufrie­den ver­kün­de­te unse­re zau­ber­haf­te Haupt­rol­le: „Also, sin­gen kön­nen wir!“ Ich muss wohl nicht extra beto­nen, dass nach die­sem Lob der Elan zu wei­te­ren sze­ni­schen Pro­ben enorm gestie­gen war. Und das soll was hei­ßen, nach­dem man schon den gan­zen Tag geübt und geprobt hat und eigent­li­ch schon ganz schön müde ist.

Für Lara Veng­haus ist Ver­dis La Tra­viata die drit­te Opern­pro­duk­ti­on mit dem Uni­ver­si­täts­or­ches­ter Bie­le­feld. Vor­an­ge­gan­gen sind die 2009er Auf­füh­rung von Webers Der Frei­schütz  und drei Jah­re spä­ter Mozarts Die Zau­ber­flö­te. Die künst­le­ri­sche Vita der 30 Jah­re jun­gen Sopra­nis­tin ist gespickt mit wei­te­ren hoch­ka­rä­ti­gen Par­ti­en. So sang sie bereits vor ihrem Stu­di­um die Sopran­par­tie  in Jose­ph Haydns Schöp­fung, auf die ähn­li­che Par­ti­en in Bachs Weih­nachts­ora­to­ri­um und Mozarts Requi­em folg­ten. Ihr Reper­toire umfasst neben dem Opern­fach eben­so das Kon­zert­fach, wobei ihr das Deut­sche Kunst­lied beson­ders am Her­zen liegt, wel­ches Lara Veng­haus 2016 in einem Lie­der­abend zum The­ma  Nacht­ge­spin­s­te  mit Wer­ken von Schu­bert, Schu­mann, Brahms, Wolf, Mah­ler und Strauss ein­drucks­voll besun­gen hat. Die­sen Abend hat man (nichts gegen das Kleid!) am bes­ten mit geschlos­se­nen Augen genos­sen, um die Klang­far­be und die trans­por­tier­ten Emo­tio­nen voll und ganz genie­ßen zu kön­nen. Selbst nach einem bestimmt anstren­gen­dem Kon­zert hat­te die Sän­ge­rin noch Zeit für ihr Publi­kum. Ich habe es wäh­rend der gan­zen Pro­ben­zeit noch nicht erlebt, dass man Lara Stress oder Schwie­rig­kei­ten anmerkt. Sie hat stets einen freund­li­chen Gruß auf den Lip­pen und küm­mert sich um alle gro­ßen und klei­nen Sor­gen. Außer­dem tritt sie regel­mä­ßig bei den jähr­li­ch statt­fin­den­den Fes­ti­vals Euro­pea Este und Stel­le e lapi­li in Ita­li­en auf.

Wenn die quir­li­ge jun­ge Frau nicht selbst auf der Büh­ne steht, lei­tet sie die Sän­ger­ge­mein­schaft Jöl­len­be­ck e.V. und gibt ande­ren san­ges­freu­di­gen Men­schen Unter­richt im Sin­gen. Lara Veng­haus ist nicht nur Gesangs­leh­re­rin, son­dern außer­dem geschult, bei Stimm­pro­ble­men als Stimm­bild­ne­rin unter­stüt­zend zu arbei­ten. Ihre Freu­de am Sin­gen ver­steht sie spie­lend wei­ter­zu­ge­ben.

Lara Veng­haus hat soeben ihre ers­te eige­ne CD Son Io  her­aus­ge­bracht. Der Ita­lie­ni­sche Titel unter­streicht ihre Lie­be zu Ita­li­en und in Ver­bin­dung mit den elf, für die­se CD aus­ge­wähl­ten Stü­cken, zeich­net sich das Bild einer talen­tier­ten, wand­lungs­fä­hi­gen Künst­le­rin. Rein­hö­ren lohnt sich in jedem Fall – in die CD und natür­li­ch live. Spä­tes­tens Ende April. Bis dahin wird Lara Veng­haus aber noch viel gute Lau­ne ver­sprüht und neue musi­ka­li­sche Aus­flü­ge geplant haben.

http://lara-venghaus.de/