Ein ganz normaler Tag…

… im Leben der Pro­jekt­lei­tung.

 

9 Uhr. Caf­fè im Bett. 

Ja, Caf­fè ita­lie­ni­sch geschrie­ben – es muss schon ein rich­ti­ger ita­lie­ni­scher Cap­puc­ci­no sein, Fil­ter­kaf­fee kommt mir nicht ins Haus, davon wer­de ich nicht wach son­dern gran­tig. 9 Uhr, Lang­schlä­fer – ja, das bin ich, und als Vio­let­ta-Inter­pre­tin muss das auch sein, nur in einem aus­ge­ruh­ten Kör­per kann sich eine leis­tungs­star­ke Stim­me wohl­füh­len. Caf­fè also. Und das iPad, denn inter­es­san­ter­wei­se sind die meis­ten Kol­le­gen nacht­ak­tiv. Wäh­rend die­ser Form des Früh­stücks wer­den also Nach­rich­ten, Mails und die Tages­zei­tung gecheckt. Aha, mal wie­der hat jemand von den Mit­wir­ken­den bemerkt, dass die Auf­füh­run­gen in den Oster­fe­ri­en lie­gen, er dort aber ver­reist ist. Memo an mich: Du muss eine Aus­hil­fe beschaf­fen sowie das nöti­ge Geld, sie zu bezah­len. Dafür hat der Hor­nist zuge­sagt, und der poten­ti­el­le Gren­vil benö­tigt Noten. Der Caf­fè ist längst aus­ge­trun­ken, aber der Papier­kram will erle­digt sein.

 

10 Uhr. Orts­ter­min.

Der ers­te Ter­min des Tages, im Audi­max. Ob wir die uni-eige­ne Büh­ne nut­zen kön­nen für das Pro­jekt? Lei­der nein, es stellt sich her­aus, dass die Gesamt­flä­che zu klein und die Ele­men­te auch nicht kom­pa­ti­bel mit denen der Leih­fir­ma sind. Scha­de, schön wäre es gewe­sen. Wäh­rend der Wei­ter­fahrt im Auto muss ich das tele­fo­ni­sch an das Team durch­ge­ben, damit der Kos­ten­vor­an­schlag in Auf­trag gege­ben wer­den kann.

 

11 Uhr. Anpro­be in der West­stra­ße.

Anto­nia muss das Kos­tüm für den 1. Akt abste­cken. Lei­der – oder zum Glück? – bin ich in den Schul­tern viel schmä­ler als mei­ne männ­li­chen Kol­le­gen. Aber mit so erfah­re­nen Meis­tern ihres Fachs über­win­den wir auch die­se Schwie­rig­keit.

 

12 Uhr. Tref­fen mit Laris­sa bei JAB Anstoetz. 

Die Büh­nen­bild­ner der Klas­se 10 an der Gesamt­schu­le in Wer­t­her benö­ti­gen noch Stof­fe für Stuhl­hus­sen, Bett­über­wür­fe und ähn­li­ches. Ein wun­der­ba­rer Ter­min! Was gibt es schö­ne­res, als die­se beein­dru­cken­den Mus­ter und Qua­li­tä­ten zu sich­ten und sich das schöns­te aus­su­chen zu dür­fen? Schwie­rig wird es bloß bei der Fra­ge, wie das alles ins Auto passt … Aber mei­ne klei­ne Aida ist stark und geräu­mig, nur der Fah­rer­sitz lässt sich nicht mehr ganz fest­stel­len …

12.45 Uhr. Wei­ter nach Det­mold.

Im Auto kann man wun­der­bar wei­te­re Tele­fo­na­te füh­ren, da muss mit poten­ti­el­len Spon­so­ren gespro­chen wer­den, mit der Pres­se zwecks Ter­min­ver­ein­ba­rung und natür­li­ch auch mit dem Sekre­ta­ri­at Kunst und Musik, schließ­li­ch müs­sen die Räu­me für das nächs­te Pro­ben­wo­chen­en­de reser­viert wer­den. Dazwi­schen dann noch ein Anruf von Loui­sa: Juchuh, wir haben noch eine Hel­fe­rin in der Mas­ke!

13.45 Uhr. Mit­tags­pau­se.

Der 2. Caf­fè des Tages. Und Kuchen – ohne Zucker ist der Tag nicht zu über­le­ben. Wäh­rend­des­sen eine Lage­be­spre­chung mit Micha­el: Was hast Du erle­digt, was hab ich erle­digt, was ist noch zu tun, wer küm­mert sich um was? Und in die­ser Sze­ne im 1. Akt, da kam mir noch so eine Idee … Wir könn­ten stun­den­lang alles dis­ku­tie­ren, aber dafür fehlt die Zeit. Nun wird erst­mal geprobt.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

14.30 Uhr. Stimm­bil­dung

Es gibt eine Regel: Drei Übun­gen wer­den am Stück absol­viert, dann gibt es eine klei­ne Unter­bre­chung. Jede Regel lebt davon, gebro­chen zu wer­den … Zumin­dest durch Klei­nig­kei­ten. Wie soll­te ich den orga­ni­sa­to­ri­schen Über­bli­ck behal­ten, wenn ich mir nicht zwi­schen­durch die zu erle­di­gen­den Din­ge notier­te? Am Schreib­ti­sch liegt ein Zet­tel und ein Stift, und regel­mä­ßig hal­te ich bei mei­nen sin­gen­den Wan­de­run­gen durch das Haus inne, um das, was mir ein­fiel, zu notie­ren. Die­se „to-do-Lis­ten“ müs­sen dann spä­ter abge­ar­bei­tet wer­den. Und in den regu­lä­ren Pau­sen? „Ach, ich muss Peter noch gera­de durch­ge­ben, was alles für Print­me­di­en zu erstel­len sind“ „Doris muss das Bild von dem Hut krie­gen, ich schi­cke ihr das mal eben rüber.“ „Ich habe Mau­ri­zio noch gar nicht gefragt, ob er in der Pro­be kor­re­pe­tie­ren kann, ich schreib ihm mal eben.“ „Fran­zi hat ihre Schuh­grö­ße durch­ge­ge­ben, jetzt kann ich end­li­ch die Bestel­lun­gen auf­ge­ben.“ Ehr­li­ch gesagt habe ich kei­ne Ahnung, wie ich da den Über­bli­ck behal­te. Und auch nicht, wie Micha­el das aus­hält. Gut ist es, wenn die Stimm­bil­dungs­pha­se durch ist:

Jetzt bin ich Vio­let­ta. Und dabei darf mich kei­ner stö­ren.

17.30 Uhr. Ran an den Schreib­ti­sch.

Die Übepha­se ist absol­viert, nun geht es wie­der an den Lap­top und die Orga­ni­sa­ti­ons- und Schreib­ar­bei­ten. Das Anschrei­ben an die poten­ti­el­len Pro­gramm­heft­in­se­ren­ten muss über­ar­bei­tet wer­den, die Mas­ken­bild­ne­rin, die ich anschrieb, hat reagiert und benö­tigt genaue­re Infor­ma­tio­nen, das Orches­ter einen detail­lier­ten Pro­ben­plan, das Bal­lett eine Auf­nah­me mit genau­en Tem­pi, usw. usf.

 

18.30 Uhr. Abend­es­sen.

Micha­el hat gekocht, wäh­rend ich am Schreib­ti­sch saß. Nun gibt es eine hal­be Stun­de, in der ich mich mal nicht mit der Tra­viata beschäf­ti­ge – son­dern mit der aktu­el­len poli­ti­schen Lage. Ein biss­chen über etwas ande­res dis­ku­tie­ren, kurz gedank­li­ch aus den fest­ge­fah­re­nen Pflich­ten aus­stei­gen – das ist Ent­span­nung. Für eine hal­be Stun­de.

 

19.10 Uhr. Auf zur Chor­pro­be.

Wir sprin­gen ins Auto und bespre­chen auf der Fahrt die neu­es­ten Neu­ig­kei­ten. Micha­el wird gleich mit dem Bie­le­fel­der Chör­chen pro­ben, wäh­rend ich mit Mau­ri­zio, Sebas­ti­an und Johann eine sze­ni­sche Pro­be bestrei­te.

 

20 Uhr. Uni Bie­le­feld.

2.Akt, 2. Bild, Duett. Oh, wie ich es lie­be, in die­ser Musik auf­ge­hen zu dür­fen! Und Johann malt sich den Tod des Barons nun wirk­li­ch ein­dring­li­ch aus – Nik­las, nimm Dich in Acht! Prä­zi­se und ein­fühl­sam schifft Sebas­ti­an uns durch die Sze­ne, lässt uns mit den Figu­ren ver­schmel­zen und den­no­ch tech­ni­sch arbei­ten. 2 Stun­den inten­si­ves Pro­ben – dann ist der Tag vor­bei. Auf nach Hau­se.

 

22.30 Uhr. Der Tag endet, wo er anfing. 

Ich lie­ge im Bett, che­cke noch­ein­mal die Mails sowie die Ter­mi­ne für mor­gen und seh­ne den Schlaf her­bei.

 

Ja, die­ses Pro­jekt füllt mei­ne Tage gänz­li­ch aus. Aber so es mich erfüllt kann ich über­spru­deln und die­se Fül­le wei­ter­tra­gen an alle Betei­lig­ten. Etwas schö­ne­res kann ich mir nicht den­ken.

 

Na gut, doch, eines: Am Ende auf der Büh­ne zu ste­hen. Die­ses Gefühl ist durch nichts zu über­bie­ten.

Copy­right Mar­kus Pau­lu­ßen

Flei­ßig sind wir dabei, „unse­re“ Tra­viata auf die Büh­ne zu brin­gen – hier ein klei­ner Ein­druck vom ver­gan­ge­nen Pro­ben­tag im Audi­max: Chor und Solis­ten, eng bei­ein­an­der – wer erkennt wohl, um wel­che Sze­ne es sich han­delt? Und natür­li­ch mit­ten im Gesche­hen, Micha­el Hoyer am Kla­vier. Was täten wir ohne unse­re All­round­ge­nies unter uns?

Nun heißt es: Flei­ßig Aus­wen­dig­ler­nen! Das nächs­te Pro­ben­wo­chen­en­de kommt bestimmt – und es singt und spielt sich nun­mal ein­drucks­vol­ler ohne die Noten in der Hand …