Von Kostümen und ganzen Kerlen

Manch­mal füh­ren Ereig­nis­se, die man im ers­ten Moment als Tra­gö­die erlebt, zu ganz wun­der­vol­len neu­en Kon­stel­la­tio­nen. Dass ich in die­sem Pro­jekt auch für das Kos­tüm­bild ver­ant­wort­li­ch sein soll­te, erschien mir zunächst als Last, spä­tes­tens aber, als ich die wun­der­vol­len Mädels und Frau­en (und auch den einen Her­ren!) traf, die alles umset­zen woll­ten, wur­de es zur gro­ßen Freu­de – wenn­gleich es eine Men­ge Mehr­ar­beit für mich bedeu­tet. Vom Schnei­dern ver­ste­he ich gar nichts, von Stof­fen höchs­tens soviel, dass ich Natur­fa­ser von Plas­tik ganz anstän­dig unter­schei­den kann und mir ein­bil­de, ganz gut ein­schät­zen zu kön­nen, ob etwas schön ist. Ich konn­te gut ent­wer­fen, wie das Kos­tüm­bild ins­ge­samt aus­se­hen soll­te, aber wie man das umsetzt: Ich hat­te kei­ne Ahnung.

 

Für die Damen hat sich das aber wirk­li­ch zu einem wun­der­ba­ren Arbeits­feld mei­ner Pro­jekt­lei­tungs­tä­tig­keit ent­wi­ckelt. Im Schu­he-kau­fen war ich schon immer Welt­meis­ter (fragt mei­nen Schuh­schrank … mei­ne Schu­schrän­ke … ), und auch die Stoff­aus­wahl bei der Fir­ma JAB, die uns dan­kens­wer­ter­wei­se groß­zü­gig unter­stützt hat, hat mir viel Freu­de gemacht. Und neben­bei habe ich auch ganz viel dazu­ge­lernt, über Schnit­te, wie schwer es ist, die­se zu erstel­len und/oder anzu­pas­sen, und dar­über, wel­che Stof­fe sich wofür eig­nen und wofür nicht.

 

Was ich in mei­ner Freu­de wohl über­se­hen hat­te, war, dass ich bei den Solis­ten und im Chor ja auch mit Män­nern zu tun habe. Und hier fängt ent­we­der der gro­ße Spaß oder die gro­ße Ver­zweif­lung (ist das Glas halb voll oder halb leer?) an …

 

Zunächst mal ist der gut geklei­de­te Herr auf einer gesell­schaft­li­chen Ver­an­stal­tung (zumin­dest frü­her … seufz …) im Frack oder Smo­king auf­ge­tre­ten. Also benö­tig­te ich eine Kon­fek­ti­ons­grö­ße sowie eine Kra­gen­wei­te. Die Ant­wor­ten waren viel­fäl­tig.

 

Ich fra­ge Mama und mel­de mich dann wie­der!“ – „Was ist denn eine Kon­fek­ti­ons­grö­ße?“ – „M ist immer gut“ – „Ich habe kei­ne Ahnung …“

 

Man­ch einer ist dann aber doch krea­tiv, so erhielt ich z.B. fol­gen­de Nach­richt: „Huhu! Also, ich habe jetzt ein­fach mal in das Hemd geschaut, das ich gera­de anha­be, da steht 44 drin. Ich glau­be aber, dass sich das auf die Gesamt­grö­ße des Hem­des bezieht – oder?“

 

Oder auch nicht. Kon­fek­ti­ons­grö­ße oder Kra­gen­wei­te – glück­li­cher­wei­se ken­ne ich die Mit­wir­ken­den ja, und das weib­li­che Auge kann die­se Unter­schei­dung dann doch ganz gut tref­fen.

 

Pikant wur­de es dann, als ich nach der Pass­form des Hem­des frag­te und einen Link zur Sei­te unse­res Spon­sors bei­füg­te, damit sich die Her­ren infor­mie­ren und aus­wäh­len konn­ten.

 

Also, ich seh da gar kei­nen Unter­schied … Aber weiß wäre wahr­schein­li­ch schon gut.“ – „Ach, es geht wohl um die Far­be! Also ich fin­de ja blau schick zu einer schwar­zen Jacke.“

 

Und bei der Fra­ge nach den Schu­hen war dann die Über­for­de­rung per­fekt: „Ich hab davon kei­ne Ahnung, ich zieh alles an was Du mir hin­legst.“

 

Na, wenn das so ist: Dann kann ja nichts mehr schief­ge­hen. 😉