Wie ein Probenwochenende entsteht

Bald ist es wie­der soweit: Vom 31.3. bis 2.4. steht unser letz­tes Pro­ben­wo­chen­en­de für La Tra­viata in den Kalen­dern von allen Betei­lig­ten. Doch was muss eigent­li­ch alles pas­sie­ren, damit so ein Pro­ben­wo­chen­en­de über­haupt statt­fin­den kann?

 

Ter­min­fin­dung

Ich bin ja der fes­ten Über­zeu­gung, dass dies der schwie­rigs­te Teil ist. In Zei­ten fle­xi­bler Arbeits­ein­sät­ze, Bache­l­or- und Mas­ter-Cur­ri­cu­la, G8 und der­glei­chen wird es immer schwie­ri­ger, auch nur allein das Orches­ter oder den Chor zusam­men­zu­brin­gen. Ledig­li­ch unse­re drei Haupt­so­lis­ten und der Orches­ter­lei­ter sind Pro­fis, alle ande­ren müs­sen „neben­bei“ auch noch „im ech­ten Leben“ ihre Bröt­chen ver­die­nen. Was also tun? Wich­tig ist es, einen Über­bli­ck zu haben, wer bereits an wel­chen Pro­ben teil­ge­nom­men hat und ob es Ereig­nis­se gibt, die bestimm­te Ter­mi­ne für eine gro­ße Grup­pe erschwe­ren (z.B. ande­re Orches­ter­pro­jek­te oder Fei­er­ta­ge vor oder nach dem Wochen­en­de). Dann kann man zwei oder drei Ter­mi­ne zur Wahl stel­len – aber man darf bloß nicht erwar­ten, eine brei­te Schar von Ant­wor­ten zu erhal­ten. In der Regel mel­den sich die, die ohne­hin immer da sind, sowie die, die fast nie da sind. Wir haben also unse­ren Ter­min schluss­end­li­ch auf den 31.3. – 2.4. fest­ge­legt – dies muss natür­li­ch an alle kom­mu­ni­ziert wer­den.

 

Raum­re­ser­vie­rung

Pro­ben kann man nur dann, wenn auch genü­gend geeig­ne­te Räu­me zur Ver­fü­gung ste­hen. Da wir im Audi­max kon­zer­tie­ren, ist es beson­ders wich­tig, sich auf die­sen Raum ein­stel­len zu kön­nen, also muss der Saal – min­des­tens 3,5 Wochen zuvor – bei der Raum­ver­ga­be ange­fragt wer­den. Wir haben Glück: in den Semes­ter­fe­ri­en ist wenig los, und so kön­nen wir den Raum reser­vie­ren. Dazu fra­ge ich im Sekre­ta­ri­at Kunst & Musik den gro­ßen Musik­saal sowie die Übezel­len an, unse­re Solis­ten müs­sen sich ein­sin­gen, sze­ni­sche und musi­ka­li­sche Pro­ben müs­sen par­al­lel statt­fin­den kön­nen, und auch Chor und Bal­lett brau­chen Räu­me zum Auf­wär­men. Ist das geschafft, haben wir bereits die hal­be Mie­te.

 

Pro­ben­plan erstel­len

Spä­tes­tens eine Woche vor dem Pro­ben­wo­chen­en­de soll­te der Pro­ben­plan mit­ge­teilt wer­den. Um ihn sinn­voll zu erstel­len, ist aber eine prä­zi­se Über­sicht dar­über, wer wann ver­füg­bar ist von­nö­ten – und natür­li­ch passt das alles nie zusam­men. Bei so einem Pro­jekt sit­zen Micha­el Hoyer und ich gern mal 1, 2 Stun­den zusam­men und tüf­teln so lan­ge, bis ein prak­ti­ka­bler Plan zustan­de kommt. Dabei ist neben den Ver­füg­bar­kei­ten zu berück­sich­ti­gen, wie früh und wie viel am Stück die ein­zel­nen Sän­ger im Ein­satz sein kön­nen, wer wel­che Sze­ne noch nie mut­ge­probt und sie des­we­gen drin­gend benö­tigt, wie­viel Zeit wel­che Abschnit­te in Anspruch neh­men, wer über­haupt zum ers­ten Mal dabei ist und einen Über­bli­ck benö­tigt, was gleich­zei­tig pas­sie­ren kann – und, für die Mit­wir­ken­den am wich­tigs­ten: Pau­sen!

 

Pau­sen

Pau­sen­ver­pfle­gung ist das A und O beim Pro­ben­wo­chen­en­de. Ist noch genug Kaf­fee vor­han­den, damit ich in der Pau­se wel­chen auf­set­zen kann? Wer bringt für die Nach­mit­tags­pau­se Kuchen mit? Bestel­len wir ein Cate­ring oder Piz­za? Wie wird das finan­ziert? Wer sam­melt hin­ter­her das Geld ein? Alles Din­ge, die drin­gend zu orga­ni­sie­ren sind.

 

Schlaf­ge­le­gen­hei­ten

Bei einem Opern­pro­jekt gibt es auch immer vie­le Mit­wir­ken­de, die von wei­ter ent­fernt kom­men und eine Über­nach­tungs­ge­le­gen­heit benö­ti­gen. Also ran ans Tele­fon und rum­te­le­fo­nie­ren: Irgend­wer wird doch noch ein Bett frei haben?

 

Und Action!

Am ers­ten Tag des Wochen­en­des steht dann zunächst ein­mal der Auf­bau an: Stüh­le ins Audi­max schlep­pen, die Tech­nik abbau­en, die Büh­ne ankle­ben, Requi­si­ten auf­bau­en, etc. Ab dem Vor­mit­tag tru­deln auf mei­nem Han­dy Absa­gen und Ver­spä­tun­gen ein, ich muss kurz­fris­tig umdis­po­nie­ren und schau­en, wie ich mit den Aus­fäl­len umge­he. Schnell schrump­fen da 5 Cel­li auch mal auf eines zusam­men, irgend­wer hat den Zug ver­passt und muss jetzt mit dem Auto abge­holt wer­den, ein ande­rer steht am fal­schen Pro­ben­ort. Orches­te­r­all­tag eben. Aber dann geht es los. Und wenn wir erst­mal pro­ben, zieht Ver­di uns in sei­nen Bann.

Der sich regelmäßig wiederholende Wahnsinn vor dem Probenwochenende

 

Wie krie­gen die eigent­li­ch so vie­le Leu­te koor­di­niert, damit am Ende eine fer­ti­ge Opern­pro­duk­ti­on ent­steht? Wer unse­ren Blog auf­merk­sam ver­folgt, hat ja schon mit­be­kom­men, wie viel Arbeit in den Vor­be­rei­tun­gen steckt (die man bei der Auf­füh­rung dann gar nicht mehr sieht) und wie vie­le Men­schen an dem Pro­jekt Oper im Audi­max  betei­ligt sind. Bei­spiel­haft zu nen­nen sind Regis­seur, Diri­gent, Kos­tüm­bild­ner, krea­ti­ve Köp­fe für das Büh­nen­bild, die Solis­ten, die Orches­ter­mu­si­ker, der Foto­graf und der Chor. Berufs­tä­ti­ge, Schü­ler, Stu­den­ten, sie alle müs­sen koor­di­niert wer­den, um gemein­sa­me Pro­ben­ter­mi­ne zu rea­li­sie­ren. Ping –  ich habe eine E-Mail: „Lie­ber Chor, ich habe einen Dood­le-Link mit Ter­min­vor­schlä­gen erstellt. Bit­te tragt euch schnell ein, damit ich die Pro­be fest­set­zen kann. Vie­len Dank, eure Lara.“ Pflicht­be­wusst ver­su­che ich den gesen­de­ten Link zu öff­nen und es pas­siert … nichts. Dan­ke Tech­nik! Also geschwind eine Mail geschrie­ben: „Lie­be Lara, ich wür­de mich ger­ne ein­tra­gen, aber ich kann den Link nicht öff­nen…“ Neben den tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten kom­men dann auch noch die Ter­mi­ne jedes Ein­zel­nen garan­tiert irgend­wann ein­mal in die Que­re der Pro­jekt­lei­tung. Und kom­mu­ni­zie­ren soll­te man das ja auch noch mög­lichst schnell. Was wir als ‚ein­fach nur Mit­wir­ken­de‘ gar nicht mit­krie­gen, ist die vie­le Zeit, die es das Orga­ni­sa­ti­ons­team kos­tet, uns alle unter einen Hut zu bekom­men.

Knapp eine Woche vor dem nächs­ten fest­ge­setz­ten Pro­ben­wo­chen­en­de kommt die nächs­te Rund­mail ins Post­fach geflat­tert. Im Anhang eine genaue Über­sicht wer wann am Sams­tag und /oder am Sonn­tag in der Uni­ver­si­tät sein muss. „Ach ja, könn­ten eini­ge bit­te etwas backen? Wir brau­chen Ver­pfle­gung. Am Sonn­tag kön­nen wir etwas bei einem Bring­dienst bestel­len. Bit­te gebt an, was wir für euch bestel­len sol­len.“ Wir befin­den uns in der vor­le­sungs­frei­en Zeit, da ist der Men­sa­be­trieb nur ein­ge­schränkt ver­füg­bar. Da so ein Pro­ben­tag aber ganz schön viel Kraft kos­tet, muss also auch die Ver­pfle­gung gere­gelt wer­den. Wie­der pas­sie­ren Din­ge im Hin­ter­grund, die die meis­ten von den Betei­lig­ten gar nicht mit­be­kom­men. Wie durch Zau­ber­hand hat sich alles gere­gelt – oder doch eher durch minu­tiö­se Pla­nung im Ver­bor­ge­nen?  😉

Ein ande­res Ele­ment, wel­ches Orga­ni­sa­ti­on erfor­dert, ist die Logis­tik. Die Wit­te­ner-Frak­ti­on des Chors kann ein Lied davon sin­gen… oder doch eher einen Ohr­wurm im Gepäck mit­brin­gen? Libia­mo, libia­mo ne’ lie­ti cali­ci, che la bel­le­za infiora…  Die Mit­glie­der des Wit­te­ner Cho­res sind trotz des wei­ten Weges immer da. Und auch die Solis­ten woh­nen nicht alle um die Ecke. Jeder ein­zel­ne steckt viel Zeit und Muße in die­ses Pro­jekt, damit es ein vol­ler Erfolg wer­den kann. Und wenn dann alle erst ein­mal vor Ort sind, kann die eigent­li­che Arbeit… der eigent­li­che Spaß erst begin­nen. Aber davon berich­ten wir ein ande­res Mal.

Meine drei Großen

Mozarts Solis­ten­en­sem­bles bestehen aus sechs, sie­ben, ja acht Prot­ago­nis­ten, aber Ver­dis Beset­zun­gen sind klein. In vie­len sei­ner Opern gibt es nicht mehr als vier oder fünf Haupt­rol­len, die Tra­viata kommt mit drei­en aus, und in sei­nem Mac­be­th steht dem Titel­hel­den ein­zig des­sen Gemah­lin zur Sei­te. Dies bedeu­tet zum einen zwar, daß eine Auf­füh­rung nur eine gerin­ge Zahl an Solis­ten ver­langt, zum ande­ren aber, daß auf die­sen eine umso grö­ße­re Last ruht; denn je weni­ger Sän­ger es gibt, desto län­ger steht jeder von ihnen auf der Büh­ne.

Die tra­gen­den Rol­len wer­den in der Tra­viata von einer Frau und zwei Män­nern ein­ge­nom­men: der tuber­ku­lo­se­kran­ken Kur­ti­sa­ne Vio­let­ta, dem jun­gen Land­ade­li­gen Alfre­do und sei­nem Vater, Gior­gio Ger­mont. Die Par­tie Vio­let­t­as ver­langt einen bald lyri­sch, bald eher dra­ma­ti­sch aus­ge­form­ten Sopran mit siche­rer Höhe und Kolo­ra­tur­fä­hig­kei­ten, Alfre­do ist ein Ten­or, der sang­li­chen Schmelz, aber punk­tu­ell auch hel­di­sche Durch­schlags­kraft besit­zen muß, und für den Vater Ger­mont erfand Ver­di eine Bari­ton­par­tie, die strö­men­des Melos mit gro­ßem Far­ben­reich­tum und fast teno­ra­ler Dis­po­si­ti­on ver­ei­nigt. In dem­sel­ben Maß, wie die Figu­ren viel­schich­ti­ger wer­den, stei­gen auch die Anfor­de­run­gen an die Viel­sei­tig­keit der Sän­ger.

Unse­re Tra­viata genießt den Vor­zug, über ein Solis­ten­t­rio aus drei kom­plett ver­schie­de­nen, aber abso­lut gleich­wer­ti­gen Sän­gern zu ver­fü­gen. Zwei von ihnen kom­men aus der ost­west­fä­li­schen Nach­bar­schaft – der drit­te aber, Hon­gyu Chen, der Alfre­dos Vater dar­stellt, stammt aus Chi­na und ist in des­sen äußers­tem Nor­den, nahe der mon­go­li­schen Gren­ze, auf­ge­wach­sen. Als wir ihn bei unse­rer Cas­ting-Ver­an­stal­tung hör­ten, waren alle Betei­lig­ten sofort von sei­ner noblen Stim­me und sei­nem wun­der­vol­len Lega­to ein­ge­nom­men, aber kei­ner von uns glaub­te, einen sol­chen Sän­ger für unser Pro­jekt gewin­nen zu kön­nen, zumal da er kei­ner­lei Bezü­ge zu Bie­le­feld oder zu einer der maß­geb­li­chen Per­so­nen besaß. Aber Hon­gyu Chen sag­te zu – und in den Pro­ben erwies er sich, wie fast alle wirk­li­chen Kön­ner, als ein höchst lie­bens­wür­di­ger und über­aus koope­ra­ti­ver Part­ner von gro­ßer Beschei­den­heit und bewun­derns­wer­ter Dis­zi­plin. Daß ich die mir eng ver­trau­ten Sän­ger, die Vio­let­ta und Alfre­do dar­stel­len wer­den, durch einen exzel­len­ten drit­ten wür­de ergän­zen kön­nen, den ich nach weni­gen Stun­den Freund wür­de nen­nen kön­nen, hät­te ich nicht zu hof­fen gewagt.

Auch eine Odys­see, aber eine ganz ande­re, hat Johann Pen­ner hin­ter sich, der den Alfre­do singt. Weil er eine anspre­chen­de Stim­me hat­te, begann er, Gesang zu stu­die­ren – und weil er sich nicht sicher war, ob er wirk­li­ch für eine Solo­kar­rie­re dis­po­niert war, begann er die­ses Stu­di­um zunächst in der Aus­rich­tung auf den Leh­rer­be­ruf. An der Hoch­schu­le reus­sier­te er mit mäßi­gem Erfolg, und als ich ihn zum ers­ten Mal enga­gier­te, geschah dies eher aus Not als aus Über­zeu­gung. Die Zusam­men­ar­beit aus gege­be­nem Anlaß ent­wi­ckel­te sich indes­sen zu einer kon­ti­nu­ier­li­chen Part­ner­schaft, in der neue Auf­ga­ben neue Wege und neue Wege neue Mög­lich­kei­ten erschlos­sen. Heu­te ist aus dem unsi­che­ren Ora­to­ri­en­sän­ger ein gestan­de­ner Opern­ten­or gewor­den, der all­tags mit Cou­ra­ge und Über­zeu­gung als Stu­di­en­rat sei­nen Mann steht, aber auch gelernt hat, daß er sich nach sei­ner sän­ge­ri­schen Befä­hi­gung durch­aus mit den Solis­ten bedeu­ten­der Büh­nen mes­sen kann.

Über Lara Veng­haus ein unvor­ein­ge­nom­me­nes Urteil abzu­ge­ben, dürf­te jeman­dem, der ihr per­sön­li­ch so nahe steht wie ich, nicht ohne wei­te­res zuge­traut wer­den, und nur Men­schen, die mich gut ken­nen, wer­den vor­aus­set­zen, daß ich nie­man­dem eine Unzu­läng­lich­keit weni­ger bereit­wil­lig nach­se­he als dem, der mir ver­traut ist. Lara Veng­haus ist gewiß nicht die Sopran­stim­me, die jeder Musik­freund in sei­nen Träu­men ver­nimmt, aber sie ist ein Ereig­nis, eine Kom­bi­na­ti­on aus stimm­li­cher Gewalt, unbän­di­gem Wil­len, kom­pro­miß­lo­ser Dis­zi­plin und besorg­nis­er­re­gen­der Intel­li­genz. Sie ver­fügt über einen Stimm­um­fang von drei­ein­halb Okta­ven, und ihr Tim­bre ist das einer um eine Oktav nach oben ver­setz­ten Altis­tin. Wo bei ande­ren rei­zen­des Sil­ber glit­zert, ver­strömt sie immer­no­ch bari­to­na­le Wär­me, die Bra­vour ihrer Extrem­la­gen ver­blaßt infol­ge der Mühe­lo­sig­keit, mit denen sie die­se erreicht. Jah­re hat es gedau­ert, bis sie in uner­müd­li­cher Bemü­hung ihre star­ke, dunkle, über­aus robus­te, aber auch wider­spens­ti­ge Stim­me zu bezäh­men lern­te, und umso bewuß­ter ist der Per­fek­tio­nis­tin, daß Voll­kom­men­heit, wie greif­bar sie auch erscheint, immer nur eine Gna­de des Augen­blicks ist, die nicht ohne beharr­li­che Arbeit, aber doch auch nicht ein­fach als deren Lohn gewährt wird.

Pressetermine gehören auch dazu!

Am Mitt­wo­ch gab es einen Ter­min mit der net­ten Redak­teu­rin Syl­via Tet­mey­er von der Bie­le­fel­der NW. Sie möch­te einen Bericht über unse­re La Tra­viata Pro­duk­ti­on schrei­ben aus dem Blick­win­kel hin­ter den Kulis­sen. Um 14 Uhr saßen wir also im Schnei­de­rate­lier  Traute&Muse in der Bie­le­fel­der West­stra­ße zusam­men. ‚Wir‘ heißt in die­sem Fall Pro­jekt­lei­te­rin und Vio­let­ta Lara Veng­haus, Kunst­leh­re­rin Laris­sa Neu­feld mit drei ihrer Schü­le­rin­nen, Anto­nia Berndt, Maß­schnei­de­rin und Schnitt­di­rek­tri­ce, Abdul­lah Ami­ri und ich. Wir sind so breit auf­ge­stellt erschie­nen bzw. anwe­send, weil wir der Redak­teu­rin einen Ein­druck von den vie­len betei­lig­ten Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen hin­ter den Kulis­sen geben woll­ten. Unse­re La Tra­viata lebt davon, dass vie­le Men­schen ihr Kön­nen zur Ver­fü­gung stel­len, die man son­st nicht bei einer Thea­ter-Opern­pro­duk­ti­on in die­ser Kon­stel­la­ti­on fin­den wür­de.

Da das Audi­max kei­ne pro­fes­sio­nel­le Büh­ne ist, son­dern eben ein mul­ti­funk­tio­na­ler Hör­saal in der Uni, muss man zwar nicht wirk­li­ch Abstri­che bei Kulis­se und Büh­nen­bild machen, aber man muss den gege­be­nen Raum krea­tiv aus­nut­zen. Hier kommt Laris­sa Neu­feld mit ihrem Kunst­kurs Krea­ti­ves Gestal­ten der Gesamt­schu­le Wer­t­her ins Spiel.  Für die Tra­viata brau­chen wir Requi­si­ten und ver­schie­den­s­te Büh­nen­bil­der. Frau Neu­feld und ihr Kunst­kurs restau­rie­ren, malen und wer­keln für uns was das Zeug und die Farb­pa­let­te her­gibt. So ent­steht ein bun­tes Mosa­ik – nicht nur auf den Ober­flä­chen der Bei­stell­ti­sche.

Die drei 16-jäh­ri­gen Schü­le­rin­nen Lea, Imke und Moni­ka hat­ten auch eini­ges an Arbeits­pro­ben zum Zei­gen dabei. Strah­lend prä­sen­tier­ten die Mädels uns Vio­let­t­as Ball­saal und Flo­ras Salon. Noch in klein, doch schon bald auf der ganz gro­ßen Lein­wand im Audi­max. Man kann schon sagen, dass die­ser Kunst­kurs auf sei­ne Wei­se inter­ak­tiv ist.

Das Nähate­lier Traute&Muse hat nicht nur den Treff­punkt zur Ver­fü­gung gestellt, nein. Hier wird flei­ßig an eini­gen Kos­tü­men für die Sän­ger geschnei­dert. Immer emsig mit dabei ist Prak­ti­kant Abdul­lah aus Afgha­nis­tan. Der 25-jäh­ri­ge Flücht­ling und gelern­ter Her­ren­schnei­der lernt hier, wie man euro­päi­sche Schnitt­mus­ter in Stoff umsetzt. da stellt sich glatt die Fra­ge: Wer pro­fi­tiert hier eigent­li­ch von wem? Ein­deu­tig jeder von jedem! Wenn Abdul­lah nicht in Win­des­ei­le höchst akku­ra­te Kos­tü­me näht, wer­den ganz neben­bei auch noch die Deutsch­kennt­nis­se ver­tieft. Und wir bekom­men wun­der­schö­ne Kos­tü­me – ein ech­tes Hand-in-Hand-Kon­zept.

Ich durf­te auch noch­mal erzäh­len, wie man als Anglis­tik­stu­den­tin mit Opernam­bi­tio­nen und Han­di­cap bei die­ser Pro­duk­ti­on gelan­det ist. Hier zeigt sich nur wie­der die bereit­wil­li­ge und gewoll­te Inte­gra­ti­on auf allen Ebe­nen.

Die Redak­teu­rin hat in ein­ein­halb Stun­den von uns soviel Infos bekom­men, dass sie schlicht nicht wuss­te, was sie zuer­st schrei­ben soll. Und wir sind dank­bar für jede Wer­bung.

Eine Oper auf die Büh­ne zu brin­gen funk­tio­niert halt nicht mal eben so. Neben den Akteu­ren auf der Büh­ne braucht es Pla­ner, Bast­ler, Näher und Koor­di­na­to­ren. Man­ches in Per­so­nal­uni­on. Und Pres­se­ter­mi­ne gehö­ren auch dazu – wir wol­len unser Publi­kum schließ­li­ch wis­sen las­sen, dass wir  Bie­le­feld Ende April unse­re Insze­nie­rung zei­gen wol­len!