Wie ein Probenwochenende entsteht

Bald ist es wie­der soweit: Vom 31.3. bis 2.4. steht unser letz­tes Pro­ben­wo­chen­en­de für La Tra­viata in den Kalen­dern von allen Betei­lig­ten. Doch was muss eigent­li­ch alles pas­sie­ren, damit so ein Pro­ben­wo­chen­en­de über­haupt statt­fin­den kann?

 

Ter­min­fin­dung

Ich bin ja der fes­ten Über­zeu­gung, dass dies der schwie­rigs­te Teil ist. In Zei­ten fle­xi­bler Arbeits­ein­sät­ze, Bache­l­or- und Mas­ter-Cur­ri­cu­la, G8 und der­glei­chen wird es immer schwie­ri­ger, auch nur allein das Orches­ter oder den Chor zusam­men­zu­brin­gen. Ledig­li­ch unse­re drei Haupt­so­lis­ten und der Orches­ter­lei­ter sind Pro­fis, alle ande­ren müs­sen „neben­bei“ auch noch „im ech­ten Leben“ ihre Bröt­chen ver­die­nen. Was also tun? Wich­tig ist es, einen Über­bli­ck zu haben, wer bereits an wel­chen Pro­ben teil­ge­nom­men hat und ob es Ereig­nis­se gibt, die bestimm­te Ter­mi­ne für eine gro­ße Grup­pe erschwe­ren (z.B. ande­re Orches­ter­pro­jek­te oder Fei­er­ta­ge vor oder nach dem Wochen­en­de). Dann kann man zwei oder drei Ter­mi­ne zur Wahl stel­len – aber man darf bloß nicht erwar­ten, eine brei­te Schar von Ant­wor­ten zu erhal­ten. In der Regel mel­den sich die, die ohne­hin immer da sind, sowie die, die fast nie da sind. Wir haben also unse­ren Ter­min schluss­end­li­ch auf den 31.3. – 2.4. fest­ge­legt – dies muss natür­li­ch an alle kom­mu­ni­ziert wer­den.

 

Raum­re­ser­vie­rung

Pro­ben kann man nur dann, wenn auch genü­gend geeig­ne­te Räu­me zur Ver­fü­gung ste­hen. Da wir im Audi­max kon­zer­tie­ren, ist es beson­ders wich­tig, sich auf die­sen Raum ein­stel­len zu kön­nen, also muss der Saal – min­des­tens 3,5 Wochen zuvor – bei der Raum­ver­ga­be ange­fragt wer­den. Wir haben Glück: in den Semes­ter­fe­ri­en ist wenig los, und so kön­nen wir den Raum reser­vie­ren. Dazu fra­ge ich im Sekre­ta­ri­at Kunst & Musik den gro­ßen Musik­saal sowie die Übezel­len an, unse­re Solis­ten müs­sen sich ein­sin­gen, sze­ni­sche und musi­ka­li­sche Pro­ben müs­sen par­al­lel statt­fin­den kön­nen, und auch Chor und Bal­lett brau­chen Räu­me zum Auf­wär­men. Ist das geschafft, haben wir bereits die hal­be Mie­te.

 

Pro­ben­plan erstel­len

Spä­tes­tens eine Woche vor dem Pro­ben­wo­chen­en­de soll­te der Pro­ben­plan mit­ge­teilt wer­den. Um ihn sinn­voll zu erstel­len, ist aber eine prä­zi­se Über­sicht dar­über, wer wann ver­füg­bar ist von­nö­ten – und natür­li­ch passt das alles nie zusam­men. Bei so einem Pro­jekt sit­zen Micha­el Hoyer und ich gern mal 1, 2 Stun­den zusam­men und tüf­teln so lan­ge, bis ein prak­ti­ka­bler Plan zustan­de kommt. Dabei ist neben den Ver­füg­bar­kei­ten zu berück­sich­ti­gen, wie früh und wie viel am Stück die ein­zel­nen Sän­ger im Ein­satz sein kön­nen, wer wel­che Sze­ne noch nie mut­ge­probt und sie des­we­gen drin­gend benö­tigt, wie­viel Zeit wel­che Abschnit­te in Anspruch neh­men, wer über­haupt zum ers­ten Mal dabei ist und einen Über­bli­ck benö­tigt, was gleich­zei­tig pas­sie­ren kann – und, für die Mit­wir­ken­den am wich­tigs­ten: Pau­sen!

 

Pau­sen

Pau­sen­ver­pfle­gung ist das A und O beim Pro­ben­wo­chen­en­de. Ist noch genug Kaf­fee vor­han­den, damit ich in der Pau­se wel­chen auf­set­zen kann? Wer bringt für die Nach­mit­tags­pau­se Kuchen mit? Bestel­len wir ein Cate­ring oder Piz­za? Wie wird das finan­ziert? Wer sam­melt hin­ter­her das Geld ein? Alles Din­ge, die drin­gend zu orga­ni­sie­ren sind.

 

Schlaf­ge­le­gen­hei­ten

Bei einem Opern­pro­jekt gibt es auch immer vie­le Mit­wir­ken­de, die von wei­ter ent­fernt kom­men und eine Über­nach­tungs­ge­le­gen­heit benö­ti­gen. Also ran ans Tele­fon und rum­te­le­fo­nie­ren: Irgend­wer wird doch noch ein Bett frei haben?

 

Und Action!

Am ers­ten Tag des Wochen­en­des steht dann zunächst ein­mal der Auf­bau an: Stüh­le ins Audi­max schlep­pen, die Tech­nik abbau­en, die Büh­ne ankle­ben, Requi­si­ten auf­bau­en, etc. Ab dem Vor­mit­tag tru­deln auf mei­nem Han­dy Absa­gen und Ver­spä­tun­gen ein, ich muss kurz­fris­tig umdis­po­nie­ren und schau­en, wie ich mit den Aus­fäl­len umge­he. Schnell schrump­fen da 5 Cel­li auch mal auf eines zusam­men, irgend­wer hat den Zug ver­passt und muss jetzt mit dem Auto abge­holt wer­den, ein ande­rer steht am fal­schen Pro­ben­ort. Orches­te­r­all­tag eben. Aber dann geht es los. Und wenn wir erst­mal pro­ben, zieht Ver­di uns in sei­nen Bann.

Der sich regelmäßig wiederholende Wahnsinn vor dem Probenwochenende

 

Wie krie­gen die eigent­li­ch so vie­le Leu­te koor­di­niert, damit am Ende eine fer­ti­ge Opern­pro­duk­ti­on ent­steht? Wer unse­ren Blog auf­merk­sam ver­folgt, hat ja schon mit­be­kom­men, wie viel Arbeit in den Vor­be­rei­tun­gen steckt (die man bei der Auf­füh­rung dann gar nicht mehr sieht) und wie vie­le Men­schen an dem Pro­jekt Oper im Audi­max  betei­ligt sind. Bei­spiel­haft zu nen­nen sind Regis­seur, Diri­gent, Kos­tüm­bild­ner, krea­ti­ve Köp­fe für das Büh­nen­bild, die Solis­ten, die Orches­ter­mu­si­ker, der Foto­graf und der Chor. Berufs­tä­ti­ge, Schü­ler, Stu­den­ten, sie alle müs­sen koor­di­niert wer­den, um gemein­sa­me Pro­ben­ter­mi­ne zu rea­li­sie­ren. Ping –  ich habe eine E-Mail: „Lie­ber Chor, ich habe einen Dood­le-Link mit Ter­min­vor­schlä­gen erstellt. Bit­te tragt euch schnell ein, damit ich die Pro­be fest­set­zen kann. Vie­len Dank, eure Lara.“ Pflicht­be­wusst ver­su­che ich den gesen­de­ten Link zu öff­nen und es pas­siert … nichts. Dan­ke Tech­nik! Also geschwind eine Mail geschrie­ben: „Lie­be Lara, ich wür­de mich ger­ne ein­tra­gen, aber ich kann den Link nicht öff­nen…“ Neben den tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten kom­men dann auch noch die Ter­mi­ne jedes Ein­zel­nen garan­tiert irgend­wann ein­mal in die Que­re der Pro­jekt­lei­tung. Und kom­mu­ni­zie­ren soll­te man das ja auch noch mög­lichst schnell. Was wir als ‚ein­fach nur Mit­wir­ken­de‘ gar nicht mit­krie­gen, ist die vie­le Zeit, die es das Orga­ni­sa­ti­ons­team kos­tet, uns alle unter einen Hut zu bekom­men.

Knapp eine Woche vor dem nächs­ten fest­ge­setz­ten Pro­ben­wo­chen­en­de kommt die nächs­te Rund­mail ins Post­fach geflat­tert. Im Anhang eine genaue Über­sicht wer wann am Sams­tag und /oder am Sonn­tag in der Uni­ver­si­tät sein muss. „Ach ja, könn­ten eini­ge bit­te etwas backen? Wir brau­chen Ver­pfle­gung. Am Sonn­tag kön­nen wir etwas bei einem Bring­dienst bestel­len. Bit­te gebt an, was wir für euch bestel­len sol­len.“ Wir befin­den uns in der vor­le­sungs­frei­en Zeit, da ist der Men­sa­be­trieb nur ein­ge­schränkt ver­füg­bar. Da so ein Pro­ben­tag aber ganz schön viel Kraft kos­tet, muss also auch die Ver­pfle­gung gere­gelt wer­den. Wie­der pas­sie­ren Din­ge im Hin­ter­grund, die die meis­ten von den Betei­lig­ten gar nicht mit­be­kom­men. Wie durch Zau­ber­hand hat sich alles gere­gelt – oder doch eher durch minu­tiö­se Pla­nung im Ver­bor­ge­nen?  😉

Ein ande­res Ele­ment, wel­ches Orga­ni­sa­ti­on erfor­dert, ist die Logis­tik. Die Wit­te­ner-Frak­ti­on des Chors kann ein Lied davon sin­gen… oder doch eher einen Ohr­wurm im Gepäck mit­brin­gen? Libia­mo, libia­mo ne’ lie­ti cali­ci, che la bel­le­za infiora…  Die Mit­glie­der des Wit­te­ner Cho­res sind trotz des wei­ten Weges immer da. Und auch die Solis­ten woh­nen nicht alle um die Ecke. Jeder ein­zel­ne steckt viel Zeit und Muße in die­ses Pro­jekt, damit es ein vol­ler Erfolg wer­den kann. Und wenn dann alle erst ein­mal vor Ort sind, kann die eigent­li­che Arbeit… der eigent­li­che Spaß erst begin­nen. Aber davon berich­ten wir ein ande­res Mal.

Pressetermine gehören auch dazu!

Am Mitt­wo­ch gab es einen Ter­min mit der net­ten Redak­teu­rin Syl­via Tet­mey­er von der Bie­le­fel­der NW. Sie möch­te einen Bericht über unse­re La Tra­viata Pro­duk­ti­on schrei­ben aus dem Blick­win­kel hin­ter den Kulis­sen. Um 14 Uhr saßen wir also im Schnei­de­rate­lier  Traute&Muse in der Bie­le­fel­der West­stra­ße zusam­men. ‚Wir‘ heißt in die­sem Fall Pro­jekt­lei­te­rin und Vio­let­ta Lara Veng­haus, Kunst­leh­re­rin Laris­sa Neu­feld mit drei ihrer Schü­le­rin­nen, Anto­nia Berndt, Maß­schnei­de­rin und Schnitt­di­rek­tri­ce, Abdul­lah Ami­ri und ich. Wir sind so breit auf­ge­stellt erschie­nen bzw. anwe­send, weil wir der Redak­teu­rin einen Ein­druck von den vie­len betei­lig­ten Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen hin­ter den Kulis­sen geben woll­ten. Unse­re La Tra­viata lebt davon, dass vie­le Men­schen ihr Kön­nen zur Ver­fü­gung stel­len, die man son­st nicht bei einer Thea­ter-Opern­pro­duk­ti­on in die­ser Kon­stel­la­ti­on fin­den wür­de.

Da das Audi­max kei­ne pro­fes­sio­nel­le Büh­ne ist, son­dern eben ein mul­ti­funk­tio­na­ler Hör­saal in der Uni, muss man zwar nicht wirk­li­ch Abstri­che bei Kulis­se und Büh­nen­bild machen, aber man muss den gege­be­nen Raum krea­tiv aus­nut­zen. Hier kommt Laris­sa Neu­feld mit ihrem Kunst­kurs Krea­ti­ves Gestal­ten der Gesamt­schu­le Wer­t­her ins Spiel.  Für die Tra­viata brau­chen wir Requi­si­ten und ver­schie­den­s­te Büh­nen­bil­der. Frau Neu­feld und ihr Kunst­kurs restau­rie­ren, malen und wer­keln für uns was das Zeug und die Farb­pa­let­te her­gibt. So ent­steht ein bun­tes Mosa­ik – nicht nur auf den Ober­flä­chen der Bei­stell­ti­sche.

Die drei 16-jäh­ri­gen Schü­le­rin­nen Lea, Imke und Moni­ka hat­ten auch eini­ges an Arbeits­pro­ben zum Zei­gen dabei. Strah­lend prä­sen­tier­ten die Mädels uns Vio­let­t­as Ball­saal und Flo­ras Salon. Noch in klein, doch schon bald auf der ganz gro­ßen Lein­wand im Audi­max. Man kann schon sagen, dass die­ser Kunst­kurs auf sei­ne Wei­se inter­ak­tiv ist.

Das Nähate­lier Traute&Muse hat nicht nur den Treff­punkt zur Ver­fü­gung gestellt, nein. Hier wird flei­ßig an eini­gen Kos­tü­men für die Sän­ger geschnei­dert. Immer emsig mit dabei ist Prak­ti­kant Abdul­lah aus Afgha­nis­tan. Der 25-jäh­ri­ge Flücht­ling und gelern­ter Her­ren­schnei­der lernt hier, wie man euro­päi­sche Schnitt­mus­ter in Stoff umsetzt. da stellt sich glatt die Fra­ge: Wer pro­fi­tiert hier eigent­li­ch von wem? Ein­deu­tig jeder von jedem! Wenn Abdul­lah nicht in Win­des­ei­le höchst akku­ra­te Kos­tü­me näht, wer­den ganz neben­bei auch noch die Deutsch­kennt­nis­se ver­tieft. Und wir bekom­men wun­der­schö­ne Kos­tü­me – ein ech­tes Hand-in-Hand-Kon­zept.

Ich durf­te auch noch­mal erzäh­len, wie man als Anglis­tik­stu­den­tin mit Opernam­bi­tio­nen und Han­di­cap bei die­ser Pro­duk­ti­on gelan­det ist. Hier zeigt sich nur wie­der die bereit­wil­li­ge und gewoll­te Inte­gra­ti­on auf allen Ebe­nen.

Die Redak­teu­rin hat in ein­ein­halb Stun­den von uns soviel Infos bekom­men, dass sie schlicht nicht wuss­te, was sie zuer­st schrei­ben soll. Und wir sind dank­bar für jede Wer­bung.

Eine Oper auf die Büh­ne zu brin­gen funk­tio­niert halt nicht mal eben so. Neben den Akteu­ren auf der Büh­ne braucht es Pla­ner, Bast­ler, Näher und Koor­di­na­to­ren. Man­ches in Per­so­nal­uni­on. Und Pres­se­ter­mi­ne gehö­ren auch dazu – wir wol­len unser Publi­kum schließ­li­ch wis­sen las­sen, dass wir  Bie­le­feld Ende April unse­re Insze­nie­rung zei­gen wol­len!

Von Kostümen und ganzen Kerlen

Manch­mal füh­ren Ereig­nis­se, die man im ers­ten Moment als Tra­gö­die erlebt, zu ganz wun­der­vol­len neu­en Kon­stel­la­tio­nen. Dass ich in die­sem Pro­jekt auch für das Kos­tüm­bild ver­ant­wort­li­ch sein soll­te, erschien mir zunächst als Last, spä­tes­tens aber, als ich die wun­der­vol­len Mädels und Frau­en (und auch den einen Her­ren!) traf, die alles umset­zen woll­ten, wur­de es zur gro­ßen Freu­de – wenn­gleich es eine Men­ge Mehr­ar­beit für mich bedeu­tet. Vom Schnei­dern ver­ste­he ich gar nichts, von Stof­fen höchs­tens soviel, dass ich Natur­fa­ser von Plas­tik ganz anstän­dig unter­schei­den kann und mir ein­bil­de, ganz gut ein­schät­zen zu kön­nen, ob etwas schön ist. Ich konn­te gut ent­wer­fen, wie das Kos­tüm­bild ins­ge­samt aus­se­hen soll­te, aber wie man das umsetzt: Ich hat­te kei­ne Ahnung.

 

Für die Damen hat sich das aber wirk­li­ch zu einem wun­der­ba­ren Arbeits­feld mei­ner Pro­jekt­lei­tungs­tä­tig­keit ent­wi­ckelt. Im Schu­he-kau­fen war ich schon immer Welt­meis­ter (fragt mei­nen Schuh­schrank … mei­ne Schu­schrän­ke … ), und auch die Stoff­aus­wahl bei der Fir­ma JAB, die uns dan­kens­wer­ter­wei­se groß­zü­gig unter­stützt hat, hat mir viel Freu­de gemacht. Und neben­bei habe ich auch ganz viel dazu­ge­lernt, über Schnit­te, wie schwer es ist, die­se zu erstel­len und/oder anzu­pas­sen, und dar­über, wel­che Stof­fe sich wofür eig­nen und wofür nicht.

 

Was ich in mei­ner Freu­de wohl über­se­hen hat­te, war, dass ich bei den Solis­ten und im Chor ja auch mit Män­nern zu tun habe. Und hier fängt ent­we­der der gro­ße Spaß oder die gro­ße Ver­zweif­lung (ist das Glas halb voll oder halb leer?) an …

 

Zunächst mal ist der gut geklei­de­te Herr auf einer gesell­schaft­li­chen Ver­an­stal­tung (zumin­dest frü­her … seufz …) im Frack oder Smo­king auf­ge­tre­ten. Also benö­tig­te ich eine Kon­fek­ti­ons­grö­ße sowie eine Kra­gen­wei­te. Die Ant­wor­ten waren viel­fäl­tig.

 

Ich fra­ge Mama und mel­de mich dann wie­der!“ – „Was ist denn eine Kon­fek­ti­ons­grö­ße?“ – „M ist immer gut“ – „Ich habe kei­ne Ahnung …“

 

Man­ch einer ist dann aber doch krea­tiv, so erhielt ich z.B. fol­gen­de Nach­richt: „Huhu! Also, ich habe jetzt ein­fach mal in das Hemd geschaut, das ich gera­de anha­be, da steht 44 drin. Ich glau­be aber, dass sich das auf die Gesamt­grö­ße des Hem­des bezieht – oder?“

 

Oder auch nicht. Kon­fek­ti­ons­grö­ße oder Kra­gen­wei­te – glück­li­cher­wei­se ken­ne ich die Mit­wir­ken­den ja, und das weib­li­che Auge kann die­se Unter­schei­dung dann doch ganz gut tref­fen.

 

Pikant wur­de es dann, als ich nach der Pass­form des Hem­des frag­te und einen Link zur Sei­te unse­res Spon­sors bei­füg­te, damit sich die Her­ren infor­mie­ren und aus­wäh­len konn­ten.

 

Also, ich seh da gar kei­nen Unter­schied … Aber weiß wäre wahr­schein­li­ch schon gut.“ – „Ach, es geht wohl um die Far­be! Also ich fin­de ja blau schick zu einer schwar­zen Jacke.“

 

Und bei der Fra­ge nach den Schu­hen war dann die Über­for­de­rung per­fekt: „Ich hab davon kei­ne Ahnung, ich zieh alles an was Du mir hin­legst.“

 

Na, wenn das so ist: Dann kann ja nichts mehr schief­ge­hen. 😉

Ein ganz normaler Tag…

… im Leben der Pro­jekt­lei­tung.

 

9 Uhr. Caf­fè im Bett. 

Ja, Caf­fè ita­lie­ni­sch geschrie­ben – es muss schon ein rich­ti­ger ita­lie­ni­scher Cap­puc­ci­no sein, Fil­ter­kaf­fee kommt mir nicht ins Haus, davon wer­de ich nicht wach son­dern gran­tig. 9 Uhr, Lang­schlä­fer – ja, das bin ich, und als Vio­let­ta-Inter­pre­tin muss das auch sein, nur in einem aus­ge­ruh­ten Kör­per kann sich eine leis­tungs­star­ke Stim­me wohl­füh­len. Caf­fè also. Und das iPad, denn inter­es­san­ter­wei­se sind die meis­ten Kol­le­gen nacht­ak­tiv. Wäh­rend die­ser Form des Früh­stücks wer­den also Nach­rich­ten, Mails und die Tages­zei­tung gecheckt. Aha, mal wie­der hat jemand von den Mit­wir­ken­den bemerkt, dass die Auf­füh­run­gen in den Oster­fe­ri­en lie­gen, er dort aber ver­reist ist. Memo an mich: Du muss eine Aus­hil­fe beschaf­fen sowie das nöti­ge Geld, sie zu bezah­len. Dafür hat der Hor­nist zuge­sagt, und der poten­ti­el­le Gren­vil benö­tigt Noten. Der Caf­fè ist längst aus­ge­trun­ken, aber der Papier­kram will erle­digt sein.

 

10 Uhr. Orts­ter­min.

Der ers­te Ter­min des Tages, im Audi­max. Ob wir die uni-eige­ne Büh­ne nut­zen kön­nen für das Pro­jekt? Lei­der nein, es stellt sich her­aus, dass die Gesamt­flä­che zu klein und die Ele­men­te auch nicht kom­pa­ti­bel mit denen der Leih­fir­ma sind. Scha­de, schön wäre es gewe­sen. Wäh­rend der Wei­ter­fahrt im Auto muss ich das tele­fo­ni­sch an das Team durch­ge­ben, damit der Kos­ten­vor­an­schlag in Auf­trag gege­ben wer­den kann.

 

11 Uhr. Anpro­be in der West­stra­ße.

Anto­nia muss das Kos­tüm für den 1. Akt abste­cken. Lei­der – oder zum Glück? – bin ich in den Schul­tern viel schmä­ler als mei­ne männ­li­chen Kol­le­gen. Aber mit so erfah­re­nen Meis­tern ihres Fachs über­win­den wir auch die­se Schwie­rig­keit.

 

12 Uhr. Tref­fen mit Laris­sa bei JAB Anstoetz. 

Die Büh­nen­bild­ner der Klas­se 10 an der Gesamt­schu­le in Wer­t­her benö­ti­gen noch Stof­fe für Stuhl­hus­sen, Bett­über­wür­fe und ähn­li­ches. Ein wun­der­ba­rer Ter­min! Was gibt es schö­ne­res, als die­se beein­dru­cken­den Mus­ter und Qua­li­tä­ten zu sich­ten und sich das schöns­te aus­su­chen zu dür­fen? Schwie­rig wird es bloß bei der Fra­ge, wie das alles ins Auto passt … Aber mei­ne klei­ne Aida ist stark und geräu­mig, nur der Fah­rer­sitz lässt sich nicht mehr ganz fest­stel­len …

12.45 Uhr. Wei­ter nach Det­mold.

Im Auto kann man wun­der­bar wei­te­re Tele­fo­na­te füh­ren, da muss mit poten­ti­el­len Spon­so­ren gespro­chen wer­den, mit der Pres­se zwecks Ter­min­ver­ein­ba­rung und natür­li­ch auch mit dem Sekre­ta­ri­at Kunst und Musik, schließ­li­ch müs­sen die Räu­me für das nächs­te Pro­ben­wo­chen­en­de reser­viert wer­den. Dazwi­schen dann noch ein Anruf von Loui­sa: Juchuh, wir haben noch eine Hel­fe­rin in der Mas­ke!

13.45 Uhr. Mit­tags­pau­se.

Der 2. Caf­fè des Tages. Und Kuchen – ohne Zucker ist der Tag nicht zu über­le­ben. Wäh­rend­des­sen eine Lage­be­spre­chung mit Micha­el: Was hast Du erle­digt, was hab ich erle­digt, was ist noch zu tun, wer küm­mert sich um was? Und in die­ser Sze­ne im 1. Akt, da kam mir noch so eine Idee … Wir könn­ten stun­den­lang alles dis­ku­tie­ren, aber dafür fehlt die Zeit. Nun wird erst­mal geprobt.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

14.30 Uhr. Stimm­bil­dung

Es gibt eine Regel: Drei Übun­gen wer­den am Stück absol­viert, dann gibt es eine klei­ne Unter­bre­chung. Jede Regel lebt davon, gebro­chen zu wer­den … Zumin­dest durch Klei­nig­kei­ten. Wie soll­te ich den orga­ni­sa­to­ri­schen Über­bli­ck behal­ten, wenn ich mir nicht zwi­schen­durch die zu erle­di­gen­den Din­ge notier­te? Am Schreib­ti­sch liegt ein Zet­tel und ein Stift, und regel­mä­ßig hal­te ich bei mei­nen sin­gen­den Wan­de­run­gen durch das Haus inne, um das, was mir ein­fiel, zu notie­ren. Die­se „to-do-Lis­ten“ müs­sen dann spä­ter abge­ar­bei­tet wer­den. Und in den regu­lä­ren Pau­sen? „Ach, ich muss Peter noch gera­de durch­ge­ben, was alles für Print­me­di­en zu erstel­len sind“ „Doris muss das Bild von dem Hut krie­gen, ich schi­cke ihr das mal eben rüber.“ „Ich habe Mau­ri­zio noch gar nicht gefragt, ob er in der Pro­be kor­re­pe­tie­ren kann, ich schreib ihm mal eben.“ „Fran­zi hat ihre Schuh­grö­ße durch­ge­ge­ben, jetzt kann ich end­li­ch die Bestel­lun­gen auf­ge­ben.“ Ehr­li­ch gesagt habe ich kei­ne Ahnung, wie ich da den Über­bli­ck behal­te. Und auch nicht, wie Micha­el das aus­hält. Gut ist es, wenn die Stimm­bil­dungs­pha­se durch ist:

Jetzt bin ich Vio­let­ta. Und dabei darf mich kei­ner stö­ren.

17.30 Uhr. Ran an den Schreib­ti­sch.

Die Übepha­se ist absol­viert, nun geht es wie­der an den Lap­top und die Orga­ni­sa­ti­ons- und Schreib­ar­bei­ten. Das Anschrei­ben an die poten­ti­el­len Pro­gramm­heft­in­se­ren­ten muss über­ar­bei­tet wer­den, die Mas­ken­bild­ne­rin, die ich anschrieb, hat reagiert und benö­tigt genaue­re Infor­ma­tio­nen, das Orches­ter einen detail­lier­ten Pro­ben­plan, das Bal­lett eine Auf­nah­me mit genau­en Tem­pi, usw. usf.

 

18.30 Uhr. Abend­es­sen.

Micha­el hat gekocht, wäh­rend ich am Schreib­ti­sch saß. Nun gibt es eine hal­be Stun­de, in der ich mich mal nicht mit der Tra­viata beschäf­ti­ge – son­dern mit der aktu­el­len poli­ti­schen Lage. Ein biss­chen über etwas ande­res dis­ku­tie­ren, kurz gedank­li­ch aus den fest­ge­fah­re­nen Pflich­ten aus­stei­gen – das ist Ent­span­nung. Für eine hal­be Stun­de.

 

19.10 Uhr. Auf zur Chor­pro­be.

Wir sprin­gen ins Auto und bespre­chen auf der Fahrt die neu­es­ten Neu­ig­kei­ten. Micha­el wird gleich mit dem Bie­le­fel­der Chör­chen pro­ben, wäh­rend ich mit Mau­ri­zio, Sebas­ti­an und Johann eine sze­ni­sche Pro­be bestrei­te.

 

20 Uhr. Uni Bie­le­feld.

2.Akt, 2. Bild, Duett. Oh, wie ich es lie­be, in die­ser Musik auf­ge­hen zu dür­fen! Und Johann malt sich den Tod des Barons nun wirk­li­ch ein­dring­li­ch aus – Nik­las, nimm Dich in Acht! Prä­zi­se und ein­fühl­sam schifft Sebas­ti­an uns durch die Sze­ne, lässt uns mit den Figu­ren ver­schmel­zen und den­no­ch tech­ni­sch arbei­ten. 2 Stun­den inten­si­ves Pro­ben – dann ist der Tag vor­bei. Auf nach Hau­se.

 

22.30 Uhr. Der Tag endet, wo er anfing. 

Ich lie­ge im Bett, che­cke noch­ein­mal die Mails sowie die Ter­mi­ne für mor­gen und seh­ne den Schlaf her­bei.

 

Ja, die­ses Pro­jekt füllt mei­ne Tage gänz­li­ch aus. Aber so es mich erfüllt kann ich über­spru­deln und die­se Fül­le wei­ter­tra­gen an alle Betei­lig­ten. Etwas schö­ne­res kann ich mir nicht den­ken.

 

Na gut, doch, eines: Am Ende auf der Büh­ne zu ste­hen. Die­ses Gefühl ist durch nichts zu über­bie­ten.