Giorgio Germont

Manch­mal hat man als Initia­tor eines gro­ßen Pro­jek­tes unglaub­li­ches Glück. So auch am 13. März 2016, als Hon­gyu Chen zum Cas­ting für La Tra­viata nach Bie­le­feld kam. Schon bei sei­nen ers­ten Tönen waren wir, die „Jury“, also das Pro­jekt­lei­tungs­team, hin­ge­ris­sen. Nur eine Fra­ge stell­te sich: Wür­de ein so fan­tas­ti­scher Sän­ger wirk­li­ch in unse­rem Pro­jekt mit­ma­chen wol­len? Schließ­li­ch haben wir nur so beschränk­te finan­zi­el­le Mit­tel, dass nicht­mal eine Fahrt­kos­ten­er­stat­tung abge­deckt ist.
Er sag­te ja. Und so schät­zen wir uns über­glück­li­chen, Hon­gyu Chen in unse­rem Ensem­ble zu haben!
Der jun­ge, aus der inne­ren Mon­go­lei stam­men­de, Bari­ton Hon­gyu Chen schloss 2016 sein Stu­di­um zum Kon­zer­te­x­amen mit Aus­zeich­nung an der HfM Saar ab. Davor stu­dier­te er bei Prof. Rudolf Pier­nay in Mann­heim sowie als Pri­vat­schü­ler bei KS Eva Ran­do­vá.
Als mehr­fa­cher Preis­trä­ger inter­na­tio­na­ler Wett­be­wer­be gewann er unter ande­rem den 1. Preis beim 18. Imrich Godin Inter­na­tio­nal Vocal Com­pe­ti­ti­on, den Preis für die bes­te männ­li­che Stim­me beim Con­cours de Chant Lyri­que a Paris sowie den Preis für die Titel­rol­le des Figa­ros beim 23. Int. Gesangs­wett­be­werb Schloss Rheins­berg.
Wäh­rend sei­nes Stu­di­ums gas­tier­te er unter ande­rem an der Frank­fur­ter Oper, den Tiro­ler Fest­spie­len, der Opé­ra -Théâ­tre de
Metz Métro­po­le sowie dem Natio­nal­thea­ter Wei­mar. Sei­ne umfang­rei­chen Kon­zert­tä­tig­kei­ten führ­ten Hon­gyu Chen in meh­re­re Län­der sowie zur Zusam­men­ar­beit mit nam­haf­ten Orches­tern wie der Deut­schen Staats­phil­har­mo­nie Rhein­land-Pfalz, dem Bran­den­bur­gi­schen Staats­or­ches­ter, den Pra­ger Phil­har­mo­ni­kern und Diri­gen­ten wie Chris­ti­an Thiele­mann, Gus­tav Kuhn, Hel­mut Ril­ling und Heri­bert Beis­sel.
http://www.hongyuchen.net

Wir bringen La Traviata an die Uni!

Vor ungefähr einem Jahr bekam ich von einer Freundin über Facebook den Casting-Aufruf für das Projekt "Oper im Audimax: La Traviata" des Universitätsorchesters unter Leitung von Dr. Michael Hoyer an der Universität Bielefeld zugeschickt. „Geh hin, das ist es doch, was du seit Jahren machen willst!”, ermunterte mich jene Freundin. Natürlich traf sie damit einen Nerv, und ich begann darüber nachzudenken, welche Arien ich für das Casting vorbereiten sollte… keine leichte Entscheidung, denn es gibt zu viele schöne! Mit der Vorbereitung stieg auch die Aufregung. Auf wen würde ich treffen? Wie würde die Atmosphäre sein? Ich wollte doch einfach nur singen. Zunächst einmal hieß es jedoch: Einsingen in der Übezelle. Gefühlt hatte ich kaum mit dem Aufwärmen angefangen, da wurde ich auch schon gebeten, zum eigentlichen Vorsingen in T0-260 zu gehen. Nach einer freundlichen Begrüßung und einer kurzen Vorstellungsrunde folgte das Vorsingen. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging dann aber auch dieser Moment vorbei. Eins war jedoch nun klar: Ich war dabei, das Abenteuer Traviata konnte nun auch für mich beginnen!
Als dann mit dem Sommersemester auch die regelmäßigen Proben begannen, ging ich voller Vorfreude zur ersten Chorprobe. Notenlesen und Lieder einstudieren war mir und den anderen Mitsängern nichts Neues, aber wie lernt und singt man eine Sprache, über die man nur rudimentäre Kenntnisse aus dem Urlaub hat?

Copyright by Markus Paulußen

Unsere Proben bestehen immer aus kleinen Grüppchen, da wir das Projekt Verdi alle nebenberuflich angehen. Jedoch haben wir immer viel Spaß, und das schon beim Einsingen. Michael Hoyer schafft es mit Bravur, das sonst so eintönige Aufwärmen dennoch abwechslungsreich und mit Anekdoten gespickt, zu gestalten. Das folgende Arbeiten mit dem Klavierauszug kann dann auch beginnen. Studieren wir einen neuen Abschnitt ein, bekommen wir den immer erst von Michael Hoyer vorgelesen und ausführlich übersetzt. Wir wiederholen. „So, und jetzt bitte mal rhythmisch gesprochen!“ Auch das funktioniert. Also kann die Melodie geübt werden. Eingeteilt in die vier Singstimmen, wird jede erst einmal einzeln geübt, bis wir das Stück(chen) alle zusammen singen. Man muss manchmal kleinschrittig arbeiten, damit das Ganze dann erfolgreich klappt. Ton für Ton sozusagen. Eine große Oper braucht natürlich auch einen entsprechenden Chor. Also proben Michael Hoyer und Projektleiterin und "Violetta" Lara Venghaus noch mit einem Chor in Witten. Ich denke, dort geht es ebenfalls so lustig wie bei uns in Bielefeld zu. Ein gemeinsamer Besuch des Weihnachtsmarktes hat uns Chorsänger alle etwas weiter zusammengeschweißt, das I-Tüpfelchen sind jedoch die gemeinsamen Chorprobentage, die natürlich nötig sind, und an denen wirklich alle zusammen treffen: Die Chöre, die Solisten, das Orchester und viele freiwillige Helfer. Wir wachsen alle Stück für Stück zusammen, je mehr Regie und Kunst zusammenfinden. Ich freue mich sehr, mit so vielen netten Leuten an diesem Projekt arbeiten zu dürfen und freue mich schon auf das große Finale, wenn wir unsere fertige Traviata aufführen werden. Danke, Leute!

von Sina Nobbe