Was und wie komponiert Verdi? Komponist präsentiert das Undenkbare: Eine eigenständig denkende Frau!

Ein wei­te­rer Teil unse­rer Vor­trags­rei­he ist ges­tern lei­der schon zu Ende gegan­gen. Dr. Micha­el Hoyer spann­te einen sehr wei­ten, aber höchst inter­es­san­ten und infor­ma­ti­ven Bogen zu dem The­ma, wie Ver­di sei­ne Tra­viata  kom­po­si­to­ri­sch auf­ge­baut hat und wie sie so über­haupt, musik­ge­schicht­li­ch betrach­tet, ent­ste­hen konn­te. Ein­ge­lei­tet wur­de das Publi­kum jedoch zunächst musi­ka­li­sch – Lara Veng­haus bot einen bewe­gen­den Vor­ge­schmack auf die bald kom­men­de  Auf­füh­rung mit ‚ihrer‘ Arie E stra­no, e stra­no aus dem 1. Akt. Micha­el Hoyer erklär­te dem Publi­kum zunächst, dass die Urauf­füh­rung 1853 in Vene­dig in einem hand­fes­ten Skan­dal mün­de­te. Die Haupt­fi­gur ist eine Kur­ti­sa­ne, also eine Dame aus höfi­schen Krei­sen, die ihre Lie­bes­diens­te Ade­li­gen anbot. Und so eine Dame stellt Ver­di dann auch noch als selbst­stän­dig den­kend da! Die­se Tat­sa­che ist im 19. Jahr­hun­dert eine uner­hör­te …Hoyer ver­stand es spie­lend, dem Publi­kum die Ver­bin­dung von Vio­let­t­as Denk­pro­zess und der Kom­po­si­ti­on zu ver­deut­li­chen. Zum einen bekommt das Über­le­gen Vio­let­t­as einen ziem­li­ch gro­ßen Raum zuge­stan­den, da ihre Arie schon eine gewis­se Län­ge auf­weist. Die Arie weist Pau­sen auf, Wech­selak­kor­de ver­deut­li­chen das Hin- und Her­ge­ris­sen sein der Titel­hel­din: Soll ich mich in das Aben­teu­er Lie­be stür­zen oder lie­ber wei­ter mein unbe­schwer­tes, frei­es Leben füh­ren? Sobald Vio­let­ta ihre Ent­schei­dung getrof­fen hat, gibt es auch kei­ne Pau­sen mehr, sagt Hoyer. Die zwei Stro­phen inner­halb der Arie ver­tie­fen den Hand­lungs­hin­ter­grund und die Figur Vio­let­ta bekommt mehr Tie­fe. So wirkt die ers­te Stro­phe wie das ver­träum­te Seh­nen nach dem Traum­mann, wel­cher ja Alfre­do sein könn­te und die zwei­te Stro­phe beleuch­tet Vio­let­t­as Jugend. Sie war ein ganz nor­ma­les Mäd­chen mit Träu­men eines gut­bür­ger­li­chen Lebens. Die­se Infor­ma­tio­nen bie­ten einen star­ken Kon­trast zu der jetzt aus­ge­führ­ten Rol­le der Kur­ti­sa­ne. Hoyer erklärt, dass es ein Novum war, dass Ver­di in den Ari­en die Hand­lung wei­ter lau­fen lies. Der auf­merk­sa­me Zuhö­rer bekam von Micha­el Hoyer einen Vor­trag über die Evo­lu­ti­on der Opern­ge­schich­te  gelie­fert. Von den ers­ten Opern der Renais­sance, Dra­men mit Musik und vie­len Rezi­ta­ti­ven, war es noch ein wei­ter Weg bis zu Ver­dis Kom­po­si­ti­ons­stil. Im Baro­ck wur­de der musi­ka­li­sche Anteil immer grö­ßer, jedoch wur­de die Hand­lung nur in den Rezi­ta­ti­ven vor­an­ge­trie­ben. Ari­en waren mit einem Hand­lungs­stop gleich­zu­set­zen. Cha­rac­ter hat­ten einen fes­ten Platz auf der Büh­ne, Ari­en drück­ten oft nur eine Gefühls­re­gung aus. Ers­te grö­ße­re Ver­än­de­run­gen die­ses, ich nen­ne es jetzt mal Opern­mo­dells, gab es mit dem Schaf­fen von W. A. Mozart. Sei­ne Opern sind kom­plett musi­ka­li­sch und Hoyer zögert nicht, zu sagen, dass es ohne Mozarts Wer­ke kei­nen Ver­di gege­ben hät­te. Mozart ist in sei­nen Kom­po­si­tio­nen immer nah am Text, ver­sucht das Gesun­ge­ne mit den Instru­men­ten zu ver­deut­li­chen, zu unter­strei­chen. „Es ensteht nichts in der Musik, was nicht schon vor­her im Text da war,“ erläu­tert  Hoyer. Die­se Art der Komo­si­ti­on wird von Ver­di wei­ter­ent­wi­ckelt. Das Pre­ludio am Anfang der Tra­viata  nimmt eigent­li­ch schon den Schluss vor­weg. Die ers­ten Tak­te trans­por­tie­ren schon eine Trau­rig­keit, ein Bild für Vio­let­t­as Ster­ben. Wir wis­sen also schon zu Beginn, dass die Haupt­fi­gur ster­ben wird, „des­halb ist die Tra­viata  nicht spann­nend,“ meint Hoyer. Ver­di greift hier schon dem Text vor­weg, etwas, was so bei Mozart nicht pas­siert. Es war span­nend, zu hören, wie Hoyer das essen­ti­el­le Ver­ständ­nis die­ser Oper am Wal­zer  Che è cio? Non gra­di­res­te ora le dan­ze aus dem 1. Akt fest­ma­chen konn­te.  Sze­ni­sch ist das Fest hier noch im vol­len Gan­ge. Der Wal­zer wech­selt jedoch zu einer pri­va­ten Kon­ver­sa­ti­on zwi­schen Vio­let­ta und Alfre­do. Wäh­rend der Wal­zer zu beginn noch vom Orches­ter musi­ka­li­sch getra­gen wird, wech­selt die Auf­merk­sam­keit in der Kon­ver­sa­ti­on zu den Sän­gern, die Musik wird neben­säch­li­ch, obwohl das Fest wei­ter­hin im Gan­ge ist. Ver­di legt den Fokus aber durch die Orches­trie­rung auf das bal­di­ge Paar. Er unter­stützt also in sei­ner Kom­po­si­ti­on die Hand­lung, die Annä­he­rung der bei­den Prot­ago­nis­ten.

Micha­el Hoyer unter­mau­er­te sei­nen Spa­zier­gang durch die musi­ka­li­sche Zusam­men­set­zung der Tra­viata immer wie­der gekonnt mit  Kla­vier­ein­la­gen. Sein Streif­zug durch die kom­po­si­to­ri­sche Ent­ste­hungs­ge­schich­te die­ser Oper wur­de durch die sän­ge­ri­schen Vor­trä­ge unse­rer Haupt­so­lis­ten ver­edelt. Lara Veng­haus und Johann Pen­ner prä­sen­tier­ten die gro­ßen Ari­en für Vio­let­ta und Alfre­do impro­vi­siert sze­ni­sch aber stimm­ge­wal­tig, sodass man als Zuhö­rer wirk­li­ch Gän­se­h­aut bekam. Johanns Arie wur­de durch Anni­nas  (Oxa­na West­feld) Ein­wurf wun­der­voll ver­voll­stän­digt.

Mei­ne beschei­de­nen Worte kön­nen nicht wirk­li­ch prä­sen­tie­ren, wie umfas­send und detail­liert die Schil­de­run­gen von Micha­el Hoyer wirk­li­ch waren.

Die nächs­te Mög­lich­keit, einen span­nen­den Vor­trag zur La Tra­viata bie­tet sich am 10. April 2017 um 20 Uhr im ZiF. Dr. Peter Men­ke zieht einen Ver­gleich zwi­schen Dumas’ Kame­li­en­da­me und Ver­dis La Tra­viata. Zuhö­ren lohnt garan­tiert!

Verdi ist einer von den Guten – Oper als Spiegel der Gesellschaft

Es ist in den letz­ten Tagen etwas ruhi­ger auf unse­rem Blog gewor­den. Das heißt aber nicht, dass das Pro­jekt La Tra­viata  aus unse­ren Ter­min­ka­len­dern gestri­chen gewe­sen wäre, nein, ganz im Gegen­teil. Es lag ein inten­si­ves Pro­ben­wo­chen­en­de vor allen Betei­lig­ten vor und hin­ter den Kulis­sen. Die Kos­tü­me wur­den erneut anpro­biert und die Schnei­de­rin­nen haben wie­der abge­steckt, was die Nadeln her gaben. Orches­ter, Solis­ten und Chor wur­den unter­stützt vom Bal­lett. Es wird immer run­d­er. Doch die Vor­be­rei­tun­gen lie­fen natür­li­ch schon wie­der sehr viel län­ger. So fand bereits Don­ners­tag die Podi­ums­dis­kus­si­on im Rah­men der Vor­trags­rei­he zu der Opern­auf­füh­rung im ZiF statt. Da das Orches­ter­pu­bli­kum nor­ma­ler­wei­se ins Audi­max kommt, fing die Dis­kus­si­on mit etwas Ver­spä­tung an, da die Zuhö­rer erst ins ZiF kom­men muss­ten.  Doch in den fol­gen­den zwei Stun­den gab es aller­hand schö­nes und wis­sens­wer­tes für die gespitz­ten Öhr­chen. Auf dem Podi­um dis­ku­tier­ten Prof. Dr. Wer­ner Vogd von der Uni­ver­si­tät Witten/Herdecke, Prof. Dr. Bir­git Apfel­baum von der Hoch­schu­le Harz, und Dr. Wieb­ke Esdar von der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld. So wur­de mit teils sozio­lo­gi­sch-phi­lo­so­phi­sch-musi­ka­li­schen Ansät­zen, psy­cho­lo­gi­schen und (inter-) kul­tu­rel­len Ansät­zen dis­ku­tiert, wie aktu­ell eigent­li­ch der Stoff von Ver­dis Oper heu­te noch ist und war­um die Hoch­schu­len auch sol­che Pro­jek­te wie unse­re Tra­viata för­dern soll­ten und sie sogar davon pro­fi­tie­ren.

Unse­re Pro­duk­ti­on wird zu einem gro­ßen Teil mit Mit­wir­ken­den bestrit­ten, die so nie­mals an einer Opern­auf­füh­rung teil­neh­men könn­ten, wie sie in gro­ßen Opern­häu­sern die­ser Welt gezeigt wer­den. Das zeich­net uns aber auch aus, den wir leben Inte­gra­ti­on. Davon berich­te­ten wir ja schon.

Prof. Dr. Vogd erklär­te zu Beginn sogleich den Titel-geben­den Satz: „Ver­di ist einer von den Guten!“ und kon­tras­tier­te ihn mit Puc­ci­ni und Wag­ner. Vogd erläu­ter­te die unter­schied­li­che Her­an­ge­hens­wei­se and die rea­li­täts­treue Dar­stel­lung von gesell­schaft­li­chen und ver­knüpf­ten pri­va­ten The­men in Opern die­ser drei gro­ßen Kom­po­nis­ten. Er emp­fin­det Ver­dis The­ma­ti­sie­run­gen als echt und real. Es wird nichts beschö­nigt und auch nichts ver­klärt. Als anschau­li­ches Bei­spiel von heu­te nann­te Vogd Par­ty­gän­ger und One-Night-Stands. Hier wird das hedo­nis­ti­sche Prin­zip genauso deut­li­ch,  wie in den Fest­lich­kei­ten der Pari­ser Gesell­schaft  in   La Tra­viata  und Vio­let­t­as Leben als Edel­kur­ti­sa­ne. Die Titel­hel­din hält zunächst nicht viel von fes­ten Bin­dun­gen und nimmt sich die Frei­heit, so zu Leben, wie sie Spaß hat. Im Lau­fe der Hand­lung jedoch durch­läuft die­se Figur eine Wen­de, Vogd fass­te es tref­fend mit „von der Hure zur Hei­li­gen“ zusam­men. Vio­let­ta opfert ihre ein­zi­ge wah­re Lie­be zum Woh­le Alfre­dos. Man könn­te sagen, sie sei geläu­tert. Man kann aber auch sagen, sie ist cha­rak­ter­li­ch gewach­sen. Auch wenn die Sze­ne­rie, Paris im 18. Jahr­hun­dert, für uns schon sehr weit weg klingt, sind also die (zwischen-)menschlichen The­men immer noch die sel­ben. Frau Dr. Esdar erläu­ter­te immer wie­der tref­fend mensch­li­ches Ver­hal­ten aus psy­cho­lo­gi­scher Sicht. Gen­au wie Vio­let­ta und Alfre­do leben auch wir heu­te noch im Spa­gat zwi­schen den Erwar­tun­gen der Gesell­schaft und unse­ren eige­nen Vor­stel­lun­gen.

Frau Prof. Dr. Apfel­baum stell­te dem Publi­kum schließ­li­ch noch den Begriff third mis­si­on vor. Ganz knapp for­mu­liert bezeich­net die­ser Begriff alle Berei­che an Hoch­schu­len, die nicht den Berei­chen For­schung oder Leh­re zuge­ord­net wer­den kön­nen. Bir­git Apfel­baum bracht es auch ganz klar auf den Punkt: Die­se La Tra­viata Insze­nie­rung ent­spricht nicht den Norm­vor­stel­lun­gen der Gesell­schaft. Sie ist nicht ‚eli­tär’ genug, nicht ‚echt‘ genug. Das sol­ch eine Denk­wei­se kom­plett unter­schätzt, was jeder Ein­zel­ne bei uns leis­tet, steht völ­lig außer Fra­ge. Ich kann hier lei­der auch nur skiz­zen­ar­tig auf­zei­gen, wel­ch brei­tes Spek­trum die Dis­kus­si­on Don­ners­tag gezeigt hat. Und ich hof­fe, ich mache Lust auf ‚mehr‘ – das lie­fern wir mor­gen Abend, Mon­tag, den 3. April um 20 Uhr im ZiF. 

Musi­ka­li­sch unter­malt wur­de die Dis­kus­si­on mit drei Bei­trä­gen von Nik­las Cla­rin. Er spielt Baron Dou­phol in unse­re Auf­füh­rung. Stimm­ge­wal­tig und wahn­sin­nig prä­sent hat­te er Ari­en von W. A. Mozart, Gae­ta­no Doni­zet­ti und Fran­ces­co Pao­lo Tos­ti für das Publi­kum vor­be­rei­tet. Nik­las, wir freu­en uns auf mehr!

Nächs­te Ver­an­stal­tung: Mo., 03.April 2017, 20 Uhr im ZiF – Die Musik der ver­bor­ge­nen Vor­gän­ge – Was und wie kom­po­niert Ver­di?

 Es gibt wie­der musi­ka­li­schen Hör­ge­nuss dazu 😉

Der sich regelmäßig wiederholende Wahnsinn vor dem Probenwochenende

 

Wie krie­gen die eigent­li­ch so vie­le Leu­te koor­di­niert, damit am Ende eine fer­ti­ge Opern­pro­duk­ti­on ent­steht? Wer unse­ren Blog auf­merk­sam ver­folgt, hat ja schon mit­be­kom­men, wie viel Arbeit in den Vor­be­rei­tun­gen steckt (die man bei der Auf­füh­rung dann gar nicht mehr sieht) und wie vie­le Men­schen an dem Pro­jekt Oper im Audi­max  betei­ligt sind. Bei­spiel­haft zu nen­nen sind Regis­seur, Diri­gent, Kos­tüm­bild­ner, krea­ti­ve Köp­fe für das Büh­nen­bild, die Solis­ten, die Orches­ter­mu­si­ker, der Foto­graf und der Chor. Berufs­tä­ti­ge, Schü­ler, Stu­den­ten, sie alle müs­sen koor­di­niert wer­den, um gemein­sa­me Pro­ben­ter­mi­ne zu rea­li­sie­ren. Ping –  ich habe eine E-Mail: „Lie­ber Chor, ich habe einen Dood­le-Link mit Ter­min­vor­schlä­gen erstellt. Bit­te tragt euch schnell ein, damit ich die Pro­be fest­set­zen kann. Vie­len Dank, eure Lara.“ Pflicht­be­wusst ver­su­che ich den gesen­de­ten Link zu öff­nen und es pas­siert … nichts. Dan­ke Tech­nik! Also geschwind eine Mail geschrie­ben: „Lie­be Lara, ich wür­de mich ger­ne ein­tra­gen, aber ich kann den Link nicht öff­nen…“ Neben den tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten kom­men dann auch noch die Ter­mi­ne jedes Ein­zel­nen garan­tiert irgend­wann ein­mal in die Que­re der Pro­jekt­lei­tung. Und kom­mu­ni­zie­ren soll­te man das ja auch noch mög­lichst schnell. Was wir als ‚ein­fach nur Mit­wir­ken­de‘ gar nicht mit­krie­gen, ist die vie­le Zeit, die es das Orga­ni­sa­ti­ons­team kos­tet, uns alle unter einen Hut zu bekom­men.

Knapp eine Woche vor dem nächs­ten fest­ge­setz­ten Pro­ben­wo­chen­en­de kommt die nächs­te Rund­mail ins Post­fach geflat­tert. Im Anhang eine genaue Über­sicht wer wann am Sams­tag und /oder am Sonn­tag in der Uni­ver­si­tät sein muss. „Ach ja, könn­ten eini­ge bit­te etwas backen? Wir brau­chen Ver­pfle­gung. Am Sonn­tag kön­nen wir etwas bei einem Bring­dienst bestel­len. Bit­te gebt an, was wir für euch bestel­len sol­len.“ Wir befin­den uns in der vor­le­sungs­frei­en Zeit, da ist der Men­sa­be­trieb nur ein­ge­schränkt ver­füg­bar. Da so ein Pro­ben­tag aber ganz schön viel Kraft kos­tet, muss also auch die Ver­pfle­gung gere­gelt wer­den. Wie­der pas­sie­ren Din­ge im Hin­ter­grund, die die meis­ten von den Betei­lig­ten gar nicht mit­be­kom­men. Wie durch Zau­ber­hand hat sich alles gere­gelt – oder doch eher durch minu­tiö­se Pla­nung im Ver­bor­ge­nen?  😉

Ein ande­res Ele­ment, wel­ches Orga­ni­sa­ti­on erfor­dert, ist die Logis­tik. Die Wit­te­ner-Frak­ti­on des Chors kann ein Lied davon sin­gen… oder doch eher einen Ohr­wurm im Gepäck mit­brin­gen? Libia­mo, libia­mo ne’ lie­ti cali­ci, che la bel­le­za infiora…  Die Mit­glie­der des Wit­te­ner Cho­res sind trotz des wei­ten Weges immer da. Und auch die Solis­ten woh­nen nicht alle um die Ecke. Jeder ein­zel­ne steckt viel Zeit und Muße in die­ses Pro­jekt, damit es ein vol­ler Erfolg wer­den kann. Und wenn dann alle erst ein­mal vor Ort sind, kann die eigent­li­che Arbeit… der eigent­li­che Spaß erst begin­nen. Aber davon berich­ten wir ein ande­res Mal.

Pressetermine gehören auch dazu!

Am Mitt­wo­ch gab es einen Ter­min mit der net­ten Redak­teu­rin Syl­via Tet­mey­er von der Bie­le­fel­der NW. Sie möch­te einen Bericht über unse­re La Tra­viata Pro­duk­ti­on schrei­ben aus dem Blick­win­kel hin­ter den Kulis­sen. Um 14 Uhr saßen wir also im Schnei­de­rate­lier  Traute&Muse in der Bie­le­fel­der West­stra­ße zusam­men. ‚Wir‘ heißt in die­sem Fall Pro­jekt­lei­te­rin und Vio­let­ta Lara Veng­haus, Kunst­leh­re­rin Laris­sa Neu­feld mit drei ihrer Schü­le­rin­nen, Anto­nia Berndt, Maß­schnei­de­rin und Schnitt­di­rek­tri­ce, Abdul­lah Ami­ri und ich. Wir sind so breit auf­ge­stellt erschie­nen bzw. anwe­send, weil wir der Redak­teu­rin einen Ein­druck von den vie­len betei­lig­ten Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen hin­ter den Kulis­sen geben woll­ten. Unse­re La Tra­viata lebt davon, dass vie­le Men­schen ihr Kön­nen zur Ver­fü­gung stel­len, die man son­st nicht bei einer Thea­ter-Opern­pro­duk­ti­on in die­ser Kon­stel­la­ti­on fin­den wür­de.

Da das Audi­max kei­ne pro­fes­sio­nel­le Büh­ne ist, son­dern eben ein mul­ti­funk­tio­na­ler Hör­saal in der Uni, muss man zwar nicht wirk­li­ch Abstri­che bei Kulis­se und Büh­nen­bild machen, aber man muss den gege­be­nen Raum krea­tiv aus­nut­zen. Hier kommt Laris­sa Neu­feld mit ihrem Kunst­kurs Krea­ti­ves Gestal­ten der Gesamt­schu­le Wer­t­her ins Spiel.  Für die Tra­viata brau­chen wir Requi­si­ten und ver­schie­den­s­te Büh­nen­bil­der. Frau Neu­feld und ihr Kunst­kurs restau­rie­ren, malen und wer­keln für uns was das Zeug und die Farb­pa­let­te her­gibt. So ent­steht ein bun­tes Mosa­ik – nicht nur auf den Ober­flä­chen der Bei­stell­ti­sche.

Die drei 16-jäh­ri­gen Schü­le­rin­nen Lea, Imke und Moni­ka hat­ten auch eini­ges an Arbeits­pro­ben zum Zei­gen dabei. Strah­lend prä­sen­tier­ten die Mädels uns Vio­let­t­as Ball­saal und Flo­ras Salon. Noch in klein, doch schon bald auf der ganz gro­ßen Lein­wand im Audi­max. Man kann schon sagen, dass die­ser Kunst­kurs auf sei­ne Wei­se inter­ak­tiv ist.

Das Nähate­lier Traute&Muse hat nicht nur den Treff­punkt zur Ver­fü­gung gestellt, nein. Hier wird flei­ßig an eini­gen Kos­tü­men für die Sän­ger geschnei­dert. Immer emsig mit dabei ist Prak­ti­kant Abdul­lah aus Afgha­nis­tan. Der 25-jäh­ri­ge Flücht­ling und gelern­ter Her­ren­schnei­der lernt hier, wie man euro­päi­sche Schnitt­mus­ter in Stoff umsetzt. da stellt sich glatt die Fra­ge: Wer pro­fi­tiert hier eigent­li­ch von wem? Ein­deu­tig jeder von jedem! Wenn Abdul­lah nicht in Win­des­ei­le höchst akku­ra­te Kos­tü­me näht, wer­den ganz neben­bei auch noch die Deutsch­kennt­nis­se ver­tieft. Und wir bekom­men wun­der­schö­ne Kos­tü­me – ein ech­tes Hand-in-Hand-Kon­zept.

Ich durf­te auch noch­mal erzäh­len, wie man als Anglis­tik­stu­den­tin mit Opernam­bi­tio­nen und Han­di­cap bei die­ser Pro­duk­ti­on gelan­det ist. Hier zeigt sich nur wie­der die bereit­wil­li­ge und gewoll­te Inte­gra­ti­on auf allen Ebe­nen.

Die Redak­teu­rin hat in ein­ein­halb Stun­den von uns soviel Infos bekom­men, dass sie schlicht nicht wuss­te, was sie zuer­st schrei­ben soll. Und wir sind dank­bar für jede Wer­bung.

Eine Oper auf die Büh­ne zu brin­gen funk­tio­niert halt nicht mal eben so. Neben den Akteu­ren auf der Büh­ne braucht es Pla­ner, Bast­ler, Näher und Koor­di­na­to­ren. Man­ches in Per­so­nal­uni­on. Und Pres­se­ter­mi­ne gehö­ren auch dazu – wir wol­len unser Publi­kum schließ­li­ch wis­sen las­sen, dass wir  Bie­le­feld Ende April unse­re Insze­nie­rung zei­gen wol­len!

Violetta Valéry

Zwei­fels­oh­ne ist Lara Veng­haus das Ener­gie­bün­del und All­round­ta­lent in unse­rer La Tra­viata Pro­duk­ti­on. Dem Publi­kum wird sie eine wun­der­ba­re Vio­let­ta Valé­ry bie­ten, die Titel­rol­le, wel­che sie neben ihrem Wahl­ten­or Johann Pen­ner bis zum letz­ten Atem­zug der Vio­let­ta hin­ge­bungs­voll sin­gen wird. Was den meis­ten Zuschau­ern jedoch ver­bor­gen bleibt, sind ihre vie­len zusätz­li­chen Rol­len hin­ter den Kulis­sen. Sie gehört zum Regie­team, küm­mert sich um den Wit­te­ner Chor, die Kos­tüm- und Büh­nen­de­signs, hat immer ein offe­nes Ohr für alle und denkt auch an die Ver­pfle­gung ihrer Mit­strei­ter. „Für die Pau­se habe ich Kuchen mit­ge­bracht – der Chor hat Vor­rang!“ Die­se Worte haben wir Chor­sän­ger alle mit einem seli­gen Lächeln quit­tiert – und das Orches­ter hat davon zum Glück gar nichts mit­be­kom­men. Die­se Aus­sa­ge ist natür­li­ch mit einem Zwin­kern zu ver­ste­hen, denn natür­li­ch küm­mert sich Lara auch um die Orches­ter­mu­si­ker.

Wir befan­den uns gera­de mit­ten in einer sze­ni­schen Pro­be mit Solis­ten und Chor, alle noch ver­tieft in Ver­dis Noten­text, wer weiß schon, die wie­viel­te Wie­der­ho­lung es war (Wer zählt die über­haupt? Wir wol­len schließ­li­ch alle eine for­mi­da­ble Tra­viata  auf die Audi­max-Büh­ne brin­gen!), als Lara plötz­li­ch rief: „Kommt doch alle mal um den Flü­gel! Wir sin­gen jetzt ein­fach mal nur.“ Die Jam-Ses­si­on mit Micha­el Hoyer am Kla­vier ging los. Immer noch mit Noten­text aber einer rie­si­gen Por­ti­on Spaß. Zufrie­den ver­kün­de­te unse­re zau­ber­haf­te Haupt­rol­le: „Also, sin­gen kön­nen wir!“ Ich muss wohl nicht extra beto­nen, dass nach die­sem Lob der Elan zu wei­te­ren sze­ni­schen Pro­ben enorm gestie­gen war. Und das soll was hei­ßen, nach­dem man schon den gan­zen Tag geübt und geprobt hat und eigent­li­ch schon ganz schön müde ist.

Für Lara Veng­haus ist Ver­dis La Tra­viata die drit­te Opern­pro­duk­ti­on mit dem Uni­ver­si­täts­or­ches­ter Bie­le­feld. Vor­an­ge­gan­gen sind die 2009er Auf­füh­rung von Webers Der Frei­schütz  und drei Jah­re spä­ter Mozarts Die Zau­ber­flö­te. Die künst­le­ri­sche Vita der 30 Jah­re jun­gen Sopra­nis­tin ist gespickt mit wei­te­ren hoch­ka­rä­ti­gen Par­ti­en. So sang sie bereits vor ihrem Stu­di­um die Sopran­par­tie  in Jose­ph Haydns Schöp­fung, auf die ähn­li­che Par­ti­en in Bachs Weih­nachts­ora­to­ri­um und Mozarts Requi­em folg­ten. Ihr Reper­toire umfasst neben dem Opern­fach eben­so das Kon­zert­fach, wobei ihr das Deut­sche Kunst­lied beson­ders am Her­zen liegt, wel­ches Lara Veng­haus 2016 in einem Lie­der­abend zum The­ma  Nacht­ge­spin­s­te  mit Wer­ken von Schu­bert, Schu­mann, Brahms, Wolf, Mah­ler und Strauss ein­drucks­voll besun­gen hat. Die­sen Abend hat man (nichts gegen das Kleid!) am bes­ten mit geschlos­se­nen Augen genos­sen, um die Klang­far­be und die trans­por­tier­ten Emo­tio­nen voll und ganz genie­ßen zu kön­nen. Selbst nach einem bestimmt anstren­gen­dem Kon­zert hat­te die Sän­ge­rin noch Zeit für ihr Publi­kum. Ich habe es wäh­rend der gan­zen Pro­ben­zeit noch nicht erlebt, dass man Lara Stress oder Schwie­rig­kei­ten anmerkt. Sie hat stets einen freund­li­chen Gruß auf den Lip­pen und küm­mert sich um alle gro­ßen und klei­nen Sor­gen. Außer­dem tritt sie regel­mä­ßig bei den jähr­li­ch statt­fin­den­den Fes­ti­vals Euro­pea Este und Stel­le e lapi­li in Ita­li­en auf.

Wenn die quir­li­ge jun­ge Frau nicht selbst auf der Büh­ne steht, lei­tet sie die Sän­ger­ge­mein­schaft Jöl­len­be­ck e.V. und gibt ande­ren san­ges­freu­di­gen Men­schen Unter­richt im Sin­gen. Lara Veng­haus ist nicht nur Gesangs­leh­re­rin, son­dern außer­dem geschult, bei Stimm­pro­ble­men als Stimm­bild­ne­rin unter­stüt­zend zu arbei­ten. Ihre Freu­de am Sin­gen ver­steht sie spie­lend wei­ter­zu­ge­ben.

Lara Veng­haus hat soeben ihre ers­te eige­ne CD Son Io  her­aus­ge­bracht. Der Ita­lie­ni­sche Titel unter­streicht ihre Lie­be zu Ita­li­en und in Ver­bin­dung mit den elf, für die­se CD aus­ge­wähl­ten Stü­cken, zeich­net sich das Bild einer talen­tier­ten, wand­lungs­fä­hi­gen Künst­le­rin. Rein­hö­ren lohnt sich in jedem Fall – in die CD und natür­li­ch live. Spä­tes­tens Ende April. Bis dahin wird Lara Veng­haus aber noch viel gute Lau­ne ver­sprüht und neue musi­ka­li­sche Aus­flü­ge geplant haben.

http://lara-venghaus.de/