37 Jahre Dienst für das Orchester

Micha­el Hoyer? Das ist doch der Diri­gent des Uni­or­ches­ters. Der mit den unver­ständ­li­chen Ein­füh­run­gen und den lang­sa­men Tem­pi?“ So oder so ähn­li­ch dürf­ten die Ant­wor­ten lau­ten, wenn man die Bie­le­fel­der kul­tur­in­ter­es­sier­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger befragt. Aber wird ihm dies auch gerecht?

 

Micha­el Hoyer kam 1980 mit sei­ner Frau, die eine Stel­le als Gei­gen­leh­re­rin an der städ­ti­schen Musik­schu­le antrat, nach Bie­le­feld. Sein Diri­gier­stu­di­um hat­te der aus Schwein­furt stam­men­de Sohn eines Stra­ßen­bau­in­ge­nieurs gera­de an der Musik­hoch­schu­le in Würz­burg abge­schlos­sen, sei­ne wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en (Phi­lo­so­phie, Musik­wis­sen­schaft, Sprach­wis­sen­schaft und Ger­ma­nis­tik) beab­sich­tig­te er jedoch, wei­ter­zu­füh­ren. Dass das 1976 gegrün­de­te Hoch­schul­or­ches­ter kurz nach sei­ner Ankunft in OWL einen Lei­ter such­te, kam ihm sehr gele­gen, konn­te der jun­ge Diri­gent auf die­se Wei­se doch sogleich in die Pra­xis ein­stei­gen.
Micha­el Hoyer schrieb sich an der Uni­ver­si­tät Müns­ter ein, fuhr regel­mä­ßig zu den Semi­na­ren und begann an sei­ner Pro­mo­ti­on zu arbei­ten. Immer in regem Kon­takt nach Süd­deutsch­land, wo sei­ne Mut­ter die unbe­schreib­li­che Hand­schrift ihres Soh­nes über die Schreib­ma­schine in einer Fas­sung zu Papier brach­te, die auch ohne Lupe leser­li­ch war.

Im Orches­ter war sei­ne Hand­schrift bereits nach kur­zer Zeit deut­li­ch zu erken­nen. Hat­te er sich noch in der Vor­be­rei­tung zum 1. Kon­zert, dem ein­zi­gen gemein­sa­men Auf­tritt von Uni­chor und Orches­ter in der Geschich­te der Uni­ver­si­tät, furcht­bar mit dem Chor­lei­ter über die rich­ti­ge Art zu diri­gie­ren gestrit­ten, demons­trier­te er fort­an, was mit sau­be­rer Tech­nik und gedul­di­ger Arbeit zu errei­chen war. Liest man im Archiv des Orches­ters nach, so fin­den sich dort nahe­zu sämt­li­che Sin­fo­ni­en Beet­ho­vens und Brahms, qua­si alle Lied­kom­po­si­tio­nen Gus­tav Mah­lers, popu­lä­re und unbe­kann­te Instru­men­tal­kon­zer­te von Baro­ck bis Neu­zeit – kurz ein unge­heu­er brei­tes Spek­trum, wel­ches für ein Lai­en­or­ches­ter höchst unge­wöhn­li­ch ist.

Zu jedem Pro­gramm ver­fass­te Micha­el Hoyer eine eige­ne Ein­füh­rung. Ihn beim Schrei­ben zu beob­ach­ten, erfor­dert mehr Geduld, als ich auf­zu­brin­gen in der Lage bin – und mehr Geduld, als die Ela­bo­ra­te zu lesen!

Ein typi­sches Bild: Er sitzt im Gar­ten in der pral­len Son­ne, ein Pull­over hängt über den Schul­tern, auf dem Tisch vor ihm eine Schreib­un­ter­la­ge, ein wei­ßes Blatt, ein im Gebir­ge selbst gesam­mel­ter Stein, der ver­hin­dert, dass das Blatt weg­fliegt, ein klei­nes Hand­tuch mit sei­nen Initia­len, von sei­ner Groß­mut­ter bestickt, und ein schwar­zer Edding, 0,1 mm Strich­stär­ke. Er denkt. Sitzt unbe­weg­li­ch da und denkt nach. Das Tele­fon läu­tet – er nimmt es gar nicht wahr. Hin und wie­der folgt sein Bli­ck dem Zaun­kö­nig auf Nah­rungs­su­che, son­st ver­harrt er unbe­wegt. Bis der Gedan­ke in sei­nem Kopf voll­endet ist, bis er unan­fecht­bar gewor­den ist – dann schreibt er ihn nie­der. Und ver­sinkt erneut in Gedan­ken.

 

Zeit ist Micha­el Hoyers kost­bars­tes Gut – und er inves­tiert es in sein Orches­ter wie in des­sen Mit­glie­der. Wil­helm spiel­te schon vor 1980 im Orches­ter Kla­ri­net­te und ist bis heu­te Mit­glied des Orches­ters. Eine Zeit lang wohn­te er sogar im 1. Sto­ck des Hau­ses am Lieb­frau­en­weg, wel­ches seit 1990 nicht nur den Hoyers, son­dern auch einer gan­zen Biblio­thek von Noten, Schrif­ten und Orches­te­rer­in­ne­run­gen Zuflucht bie­tet. Auch Mag­da­lena, ein Au-Pair-Mäd­chen aus Polen, wel­ches als Flö­tis­tin ins Orches­ter kam, fand dort ein frei­es Zim­mer, als es Pro­ble­me mit der Gast­fa­mi­lie gab. Und wer in die­sem Haus je zu Gast war, weiß, dass neben gutem Essen und einem Schlaf­platz auch inten­si­ve Gesprä­che, Sprach­un­ter­richt, Musik­un­ter­richt und ähn­li­ches zu der Aus­stat­tung gehö­ren, mit der Micha­el sei­ne Gäs­te bedenkt.

 

Ich weiß nicht, wie vie­len Men­schen Micha­el Hoyer in den unter­schied­lichs­ten Lebens­la­gen bei­stand. Er selbst ver­mut­li­ch auch nicht, denn er ist kein Sta­tis­ti­ker. Aber ich weiß, dass vie­le, die woan­ders kei­ne Chan­ce erhiel­ten, im Uni­or­ches­ter stets geför­dert wur­den und bei ihm auch stets Hil­fe und ein offe­nes Ohr fan­den. Und das ist es, was die Orches­ter­ar­beit mit ihm so beson­ders macht.

 

Das Uni­ver­si­täts­or­ches­ter ist kein gesel­li­ger Hau­fen, der neben den Pro­ben vor allem gemein­sam was trin­ken geht und sich unter­hält. Hier sit­zen schrä­ge Vögel und Indi­vi­dua­lis­ten neben­ein­an­der – aber gera­de dadurch ist hier jeder will­kom­men. Und die­se Kul­tur hat der­je­ni­ge geprägt, der die­ses Ensem­ble seit 37 Jah­ren lei­tet: Micha­el Hoyer.

 

Die Basis

Was braucht man zum Gelin­gen eines Opern­pro­jek­tes am drin­gends­ten?

Eine Oper? Joa, schon nicht schlecht. Enthu­si­as­mus? Ja, gewiss auch die­sen – aber vor allem braucht man ein Orches­ter.

Ein Orches­ter, das ist eine Grup­pe von Men­schen, von denen jeder ein Instru­ment spielt und die sich regel­mä­ßig zum gemein­sa­men Musi­zie­ren tref­fen. Unser Orches­ter, das Bie­le­fel­der Uni­ver­si­täts­or­ches­ter, ist ein ganz beson­de­rer Ver­tre­ter die­ser Spe­zies.

1974, kurz nach der Grün­dung der Jun­gen Sin­fo­ni­ker, die das ers­te Lai­en­or­ches­ter in Bie­le­feld waren, kamen drei Erwach­se­ne Instru­men­ta­lis­ten auf die Idee, ein Lai­en­or­ches­ter zu initi­ie­ren. Mit Erfolg: Zahl­rei­che Men­schen fan­den sich unter dem Dach des Jun­gen Kam­mer­or­ches­ters, das bald dar­auf das Hoch­schul­or­ches­ter Bie­le­feld wer­den soll­te, zusam­men, um gemein­sam mehr Freu­de am Musi­zie­ren zu haben. 1980 über­nahm Micha­el Hoyer die Lei­tung – er hat sie bis heu­te inne.

Ich kam 2003 als 2. Oboe ins Orches­ter – für mich ein gro­ßes Glück, für mei­ne Mit­spie­ler zunächst jedoch eher eine Hypo­thek. Ich war nicht sehr fähig an mei­nem Instru­ment – den­no­ch durf­te ich mit­wir­ken. Es gab in die­sem Ensem­ble kei­ne Auf­nah­me­be­schrän­kung, aber eine Art Ehren­ko­dex: es wur­de von mir erwar­tet, dass ich mich anstreng­te, mein Bes­tes gab, um mich zu ver­bes­sern und eine Berei­che­rung für das Orches­ter zu wer­den. Ich wuss­te zu die­sem Zeit­punkt nicht, dass schon vie­le die­sen Weg gegan­gen waren. Das war aber auch nicht wich­tig: ich häng­te mich rein, pro­fi­tier­te von den erfah­re­nen Kol­le­gen, die mir Tips gaben und mich för­der­ten, und schaff­te es schon bald auf die Posi­ti­on der 1. Oboe.

Seit­her habe ich vie­le ähn­li­che Wer­de­gän­ge beob­ach­tet und eini­gen mit mei­nen Erkennt­nis­sen wei­ter­hel­fen kön­nen. Ich habe 4 ver­schie­de­ne Kon­zert­meis­ter erlebt, Wer­ke von gro­ßer Popu­la­ri­tät wie etwa Tschai­kow­skys Kla­vier­kon­zert oder Beet­ho­vens 3. Sin­fo­nie, aber auch Urauf­füh­run­gen und ent­le­ge­nes gespielt.
Vie­le Mit­spie­ler kamen und gin­gen, ande­re blie­ben. Aus „mei­ner“ ers­ten Beset­zung von 2003 sind heu­te noch ein Kon­tra­bass, ein Cel­lo, zwei zwei­te Gei­gen und eine ers­te Gei­ge sowie ein Hor­nist im Orches­ter – ande­re, die frü­her schon mit­spiel­ten, kamen wie­der, wie­der ande­re ver­lie­ßen das Ensem­ble auf­grund fami­liä­rer oder beruf­li­cher Ver­än­de­run­gen.

Was die­ses Ensem­ble aus mei­ner Per­spek­ti­ven von ande­ren abhebt, ist die hohe Indi­vi­dua­li­tät sowie die immen­se Offen­heit und Tole­ranz gegen­über Neu­em, Mit­glie­dern wie Auf­ga­ben. Wir sind kein gesel­li­ger Ver­ein, der nach jeder Pro­be noch stun­den­lang zusam­men Bier­chen trinkt, lan­ge gemein­sa­me Rei­sen oder Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten unter­nimmt und sich gegen­sei­tig zu Geburts­ta­gen und der­glei­chen ein­lädt – das gibt es teil­wei­se, aber rela­tiv wenig. Bei uns gibt es kei­ne Abgren­zung, kein „wir“ und „die“, in die­sem Ensem­ble ist jeder will­kom­men, der sich ein­brin­gen möch­te. Her­kunft, poli­ti­sche oder reli­giö­se Ansich­ten, gesell­schaft­li­che Stel­lung – all das bedeu­tet hier nichts. Uns ver­bin­det nur die Musik. Und die­ses „nur“ meint eigent­li­ch: das Sein.

Wie ein Probenwochenende entsteht

Bald ist es wie­der soweit: Vom 31.3. bis 2.4. steht unser letz­tes Pro­ben­wo­chen­en­de für La Tra­viata in den Kalen­dern von allen Betei­lig­ten. Doch was muss eigent­li­ch alles pas­sie­ren, damit so ein Pro­ben­wo­chen­en­de über­haupt statt­fin­den kann?

 

Ter­min­fin­dung

Ich bin ja der fes­ten Über­zeu­gung, dass dies der schwie­rigs­te Teil ist. In Zei­ten fle­xi­bler Arbeits­ein­sät­ze, Bache­l­or- und Mas­ter-Cur­ri­cu­la, G8 und der­glei­chen wird es immer schwie­ri­ger, auch nur allein das Orches­ter oder den Chor zusam­men­zu­brin­gen. Ledig­li­ch unse­re drei Haupt­so­lis­ten und der Orches­ter­lei­ter sind Pro­fis, alle ande­ren müs­sen „neben­bei“ auch noch „im ech­ten Leben“ ihre Bröt­chen ver­die­nen. Was also tun? Wich­tig ist es, einen Über­bli­ck zu haben, wer bereits an wel­chen Pro­ben teil­ge­nom­men hat und ob es Ereig­nis­se gibt, die bestimm­te Ter­mi­ne für eine gro­ße Grup­pe erschwe­ren (z.B. ande­re Orches­ter­pro­jek­te oder Fei­er­ta­ge vor oder nach dem Wochen­en­de). Dann kann man zwei oder drei Ter­mi­ne zur Wahl stel­len – aber man darf bloß nicht erwar­ten, eine brei­te Schar von Ant­wor­ten zu erhal­ten. In der Regel mel­den sich die, die ohne­hin immer da sind, sowie die, die fast nie da sind. Wir haben also unse­ren Ter­min schluss­end­li­ch auf den 31.3. – 2.4. fest­ge­legt – dies muss natür­li­ch an alle kom­mu­ni­ziert wer­den.

 

Raum­re­ser­vie­rung

Pro­ben kann man nur dann, wenn auch genü­gend geeig­ne­te Räu­me zur Ver­fü­gung ste­hen. Da wir im Audi­max kon­zer­tie­ren, ist es beson­ders wich­tig, sich auf die­sen Raum ein­stel­len zu kön­nen, also muss der Saal – min­des­tens 3,5 Wochen zuvor – bei der Raum­ver­ga­be ange­fragt wer­den. Wir haben Glück: in den Semes­ter­fe­ri­en ist wenig los, und so kön­nen wir den Raum reser­vie­ren. Dazu fra­ge ich im Sekre­ta­ri­at Kunst & Musik den gro­ßen Musik­saal sowie die Übezel­len an, unse­re Solis­ten müs­sen sich ein­sin­gen, sze­ni­sche und musi­ka­li­sche Pro­ben müs­sen par­al­lel statt­fin­den kön­nen, und auch Chor und Bal­lett brau­chen Räu­me zum Auf­wär­men. Ist das geschafft, haben wir bereits die hal­be Mie­te.

 

Pro­ben­plan erstel­len

Spä­tes­tens eine Woche vor dem Pro­ben­wo­chen­en­de soll­te der Pro­ben­plan mit­ge­teilt wer­den. Um ihn sinn­voll zu erstel­len, ist aber eine prä­zi­se Über­sicht dar­über, wer wann ver­füg­bar ist von­nö­ten – und natür­li­ch passt das alles nie zusam­men. Bei so einem Pro­jekt sit­zen Micha­el Hoyer und ich gern mal 1, 2 Stun­den zusam­men und tüf­teln so lan­ge, bis ein prak­ti­ka­bler Plan zustan­de kommt. Dabei ist neben den Ver­füg­bar­kei­ten zu berück­sich­ti­gen, wie früh und wie viel am Stück die ein­zel­nen Sän­ger im Ein­satz sein kön­nen, wer wel­che Sze­ne noch nie mut­ge­probt und sie des­we­gen drin­gend benö­tigt, wie­viel Zeit wel­che Abschnit­te in Anspruch neh­men, wer über­haupt zum ers­ten Mal dabei ist und einen Über­bli­ck benö­tigt, was gleich­zei­tig pas­sie­ren kann – und, für die Mit­wir­ken­den am wich­tigs­ten: Pau­sen!

 

Pau­sen

Pau­sen­ver­pfle­gung ist das A und O beim Pro­ben­wo­chen­en­de. Ist noch genug Kaf­fee vor­han­den, damit ich in der Pau­se wel­chen auf­set­zen kann? Wer bringt für die Nach­mit­tags­pau­se Kuchen mit? Bestel­len wir ein Cate­ring oder Piz­za? Wie wird das finan­ziert? Wer sam­melt hin­ter­her das Geld ein? Alles Din­ge, die drin­gend zu orga­ni­sie­ren sind.

 

Schlaf­ge­le­gen­hei­ten

Bei einem Opern­pro­jekt gibt es auch immer vie­le Mit­wir­ken­de, die von wei­ter ent­fernt kom­men und eine Über­nach­tungs­ge­le­gen­heit benö­ti­gen. Also ran ans Tele­fon und rum­te­le­fo­nie­ren: Irgend­wer wird doch noch ein Bett frei haben?

 

Und Action!

Am ers­ten Tag des Wochen­en­des steht dann zunächst ein­mal der Auf­bau an: Stüh­le ins Audi­max schlep­pen, die Tech­nik abbau­en, die Büh­ne ankle­ben, Requi­si­ten auf­bau­en, etc. Ab dem Vor­mit­tag tru­deln auf mei­nem Han­dy Absa­gen und Ver­spä­tun­gen ein, ich muss kurz­fris­tig umdis­po­nie­ren und schau­en, wie ich mit den Aus­fäl­len umge­he. Schnell schrump­fen da 5 Cel­li auch mal auf eines zusam­men, irgend­wer hat den Zug ver­passt und muss jetzt mit dem Auto abge­holt wer­den, ein ande­rer steht am fal­schen Pro­ben­ort. Orches­te­r­all­tag eben. Aber dann geht es los. Und wenn wir erst­mal pro­ben, zieht Ver­di uns in sei­nen Bann.

Von Kostümen und ganzen Kerlen

Manch­mal füh­ren Ereig­nis­se, die man im ers­ten Moment als Tra­gö­die erlebt, zu ganz wun­der­vol­len neu­en Kon­stel­la­tio­nen. Dass ich in die­sem Pro­jekt auch für das Kos­tüm­bild ver­ant­wort­li­ch sein soll­te, erschien mir zunächst als Last, spä­tes­tens aber, als ich die wun­der­vol­len Mädels und Frau­en (und auch den einen Her­ren!) traf, die alles umset­zen woll­ten, wur­de es zur gro­ßen Freu­de – wenn­gleich es eine Men­ge Mehr­ar­beit für mich bedeu­tet. Vom Schnei­dern ver­ste­he ich gar nichts, von Stof­fen höchs­tens soviel, dass ich Natur­fa­ser von Plas­tik ganz anstän­dig unter­schei­den kann und mir ein­bil­de, ganz gut ein­schät­zen zu kön­nen, ob etwas schön ist. Ich konn­te gut ent­wer­fen, wie das Kos­tüm­bild ins­ge­samt aus­se­hen soll­te, aber wie man das umsetzt: Ich hat­te kei­ne Ahnung.

 

Für die Damen hat sich das aber wirk­li­ch zu einem wun­der­ba­ren Arbeits­feld mei­ner Pro­jekt­lei­tungs­tä­tig­keit ent­wi­ckelt. Im Schu­he-kau­fen war ich schon immer Welt­meis­ter (fragt mei­nen Schuh­schrank … mei­ne Schu­schrän­ke … ), und auch die Stoff­aus­wahl bei der Fir­ma JAB, die uns dan­kens­wer­ter­wei­se groß­zü­gig unter­stützt hat, hat mir viel Freu­de gemacht. Und neben­bei habe ich auch ganz viel dazu­ge­lernt, über Schnit­te, wie schwer es ist, die­se zu erstel­len und/oder anzu­pas­sen, und dar­über, wel­che Stof­fe sich wofür eig­nen und wofür nicht.

 

Was ich in mei­ner Freu­de wohl über­se­hen hat­te, war, dass ich bei den Solis­ten und im Chor ja auch mit Män­nern zu tun habe. Und hier fängt ent­we­der der gro­ße Spaß oder die gro­ße Ver­zweif­lung (ist das Glas halb voll oder halb leer?) an …

 

Zunächst mal ist der gut geklei­de­te Herr auf einer gesell­schaft­li­chen Ver­an­stal­tung (zumin­dest frü­her … seufz …) im Frack oder Smo­king auf­ge­tre­ten. Also benö­tig­te ich eine Kon­fek­ti­ons­grö­ße sowie eine Kra­gen­wei­te. Die Ant­wor­ten waren viel­fäl­tig.

 

Ich fra­ge Mama und mel­de mich dann wie­der!“ – „Was ist denn eine Kon­fek­ti­ons­grö­ße?“ – „M ist immer gut“ – „Ich habe kei­ne Ahnung …“

 

Man­ch einer ist dann aber doch krea­tiv, so erhielt ich z.B. fol­gen­de Nach­richt: „Huhu! Also, ich habe jetzt ein­fach mal in das Hemd geschaut, das ich gera­de anha­be, da steht 44 drin. Ich glau­be aber, dass sich das auf die Gesamt­grö­ße des Hem­des bezieht – oder?“

 

Oder auch nicht. Kon­fek­ti­ons­grö­ße oder Kra­gen­wei­te – glück­li­cher­wei­se ken­ne ich die Mit­wir­ken­den ja, und das weib­li­che Auge kann die­se Unter­schei­dung dann doch ganz gut tref­fen.

 

Pikant wur­de es dann, als ich nach der Pass­form des Hem­des frag­te und einen Link zur Sei­te unse­res Spon­sors bei­füg­te, damit sich die Her­ren infor­mie­ren und aus­wäh­len konn­ten.

 

Also, ich seh da gar kei­nen Unter­schied … Aber weiß wäre wahr­schein­li­ch schon gut.“ – „Ach, es geht wohl um die Far­be! Also ich fin­de ja blau schick zu einer schwar­zen Jacke.“

 

Und bei der Fra­ge nach den Schu­hen war dann die Über­for­de­rung per­fekt: „Ich hab davon kei­ne Ahnung, ich zieh alles an was Du mir hin­legst.“

 

Na, wenn das so ist: Dann kann ja nichts mehr schief­ge­hen. 😉