Gestern Abend, 20:05 Uhr. Ich sitze auf dem Sofa, mein Blick geht routinemäßig zur Uhr. Ich bin gerade so entspannt und überlege, ob ich schon ins Bett sollte. Doch irgendwas fehlt…

Montag Abend, 20:05 Uhr. Aus den Lautsprechern im Audimax tönt gerade die Ansage, dass sich der Beginn unserer letzten Traviata Vorstellung noch etwas hinausziehen wird, da ein Scheinwerfer ausgefallen und erst noch repariert werden muss. Obwohl die Ruhe nach diesen wundervollen, chaotischen, stressigen und einfach einmaligen Tagen mehr als gut tut, ist man doch schon so in der Routine drin, dass man bereits am ersten freien Abend die Lücke spürt.

Gute drei Stunden haben wir für unsere Inszenierung gebraucht. Drei Stunden, in denen sich Perfektion mit Improvisation gepaart hat, um zu einem einmaligen Ganzen zu werden. Laien musizieren, spielen und singen mit Profis, doch alle mit dem Ziel, Verdis große Oper einem Publikum zugänglich zu machen, dass sich vielleicht bisher nicht in die Oper getraut hat, das die Sicherheit der Uni genutzt hat, mit dem Wissen, jederzeit gehen zu können, nicht steif und gelangweilt festzusitzen bei nicht Gefallen. Wir haben ohne Eintritt gespielt, um die Türen zur sogenannten Hochkultur auch denen zu öffnen, die sich eventuell keine teuren Opernkarten leisten können - dem zahlenden Publikum von morgen. Ebenso haben wir vor Kennern gespielt, die gewiss andere Dimensionen gewöhnt sind. Lara Venghaus hat hinter den Kulissen immer wieder betont: „Geht da raus und habt Spaß!“ Diesen Spaß wollten wir unserem Publikum schenken. Ohne die vielen fleißigen Helfer im T0- unserem Backstage-Bereich, wäre diese Inszenierung unmöglich gewesen. Beruhigende Worte, helfende Hände, fleißige Näherinnen, ein tolles Make-up und Styling Team (alle, die ich jetzt vergessen habe, mögen sich bitte nicht vergessen fühlen - jeder einzelne zählt)…

Das Gefühl, 10 Minuten vor Auftritt noch in der Maske zu sitzen und Panik zu schieben, dass man bis zum ersten Einsatz nicht fertig wird, werde ich ebenso vermissen, wie die vielen herzlichen Kommentare, dass wir einen wunderschönen Abend beschert haben. Freunde, die Blumen mitgebracht haben, obwohl man nicht Solist war - eine unbeschreiblich schöne Geste. Das Einsingen der Solisten hinter gedämmten Türen zu vernehmen, um etwas später mit dem Chor das Einsingen zu starten. Endlos scheinende organisatorische Tätigkeiten, die erledigt werden mussten, bevor die ersten Gäste überhaupt eintrafen. Getränke besorgen, Einlass aufbauen, Umziehen. Warten - immer wieder warten.

Wir verneigen uns hier noch einmal vor unserem Publikum, welches uns drei Tage treu den Saal gefüllt und uns damit bestärkt hat, dass wir etwas Großartiges geschafft haben: DANKE an Familie, Freunde, Sponsoren, Neugieriege - ihr wart ein wunderbares Publikum.

 

(Titel: When the Lights Go Down performed by Faith Hill.)