Welche Blumen passen besser zum Osterfest als die prächtigen, gelben Osterglocken? Und welche Blume fällt einem als erstes ein, wenn man La Traviata hört? Wohl die Kamelie. Das liegt vor allem  an Alexandre Dumas d. J. Roman Die Kameliendame,  erstmals 1848 in Paris erschienen. Im Rahmen der Vortragsreihe zur Opernproduktion des Universitätsorchesters hielt Dr. Phil. Peter Menke von der Universität Paderborn vergangenen Montag einen spannenden Vortrag. Er verglich Dumas Romanvorlage mit dem daraus resultierende 5-aktige Schauspiel, sowie mit Verdis Vertonung des Stoffes in seiner Traviata. Alle drei diskutierten Werke sind letzten Endes Adaptationen der Lebensgeschichte der Pariser Kurtisane Marie Duplessis (1824-1847). Dumas traf diese Dame als junger Mann und benutzte diese Liaison als Vorlage für seinen Roman. Die historische Marie Duplessis hatte eine Vorliebe für Kamelien und litt an Tuberkulose. Die Dame galt als sehr gebildet, eine Eigenschaft, die man auch im Character von Verdis Violetta wiederfindet. Im Laufe der Oper wandelt sich Violetta; vom hedonistisch geprägten Leben hin zur aufopfernden, hingebungsvollen, gereiften Frau.  Genauso wie Marie Duplessis oder aber Dumas Romanfigur leidet und stirbt Violetta an der Schwindsucht.

Peter Menke zog aber nicht nur einen ausführlichen Vergleich zwischen historischen Begebenheiten und fiktiven Adaptationen, er erläuterte auch die Titelgebenden Blumen als Metaphern für Violettas verkürzte Lebensspanne. In der Oper darf Alfredo seine Angebetete erst wieder besuchen, wenn den Blüte, die Violetta im gerade gab, verwelkt ist. Auf seine Frage, wann das sei, singt sie: „Schon morgen.“ So, wie eine in voller Blüte stehende Pflanze, die als Schnittblume von ihren Wurzeln getrennt wurde, schneller welkt, so sind die Tage der jungen Violetta auch schon gezählt. Sozusagen bildlich abgeschnitten durch ihre Krankheit.

Auch Ansätze des Schauerromans zeigte Peter Menke in seinem Vortrag in Dumas Kameliendame  auf. Ganz knapp zusammengefasst, sind die Elemente Liebe, Tod und junge, sterbende Frau alles  ‚Grundzutaten‘ von Schauerromanen. Diese Elemente kann man in der Kameliendame finden, ebenso in Verdis Oper, es ist aber nur eine Möglichkeit, die Erzählung(en) zu deuten.

Musikalische Untermalung kam dieses Mal von Sebastian Groß, in unserer Travita als Marchese d’Obigny zu sehen und zu hören.

Dieser Blogbeitrag ist nur eine bescheidene Momentaufnahme im Rückblick auf Peter Menkes ausführlichen und informativen Vortrag. Es war ein gelungener und sehr ansprechend präsentierter Vortrag, der die Reihe wunderbar ergänzte.

Euch und Ihnen, liebe Leser, wünschen wir noch ein schönes Osterfest.