Wenn es jemanden gibt, der von Anbeginn in die Opernausflüge des Universitätsorchesters involviert war, so ist es wohl Johann Penner. Ob er je eine Chance hatte, sich dem zu entziehen? Ich weiß es nicht. Wir sind wie ein altes Ehepaar - nur zu dritt. Michael Hoyer, Johann Penner und ich haben nicht nur Oper, sondern auch zahlreiche Oratorien und Liederabende miteinander bestritten. Die Intensität hat dabei immer zugenommen, und wir kennen uns mittlerweile so gut, dass musikalische Intention und technische Umsetzung des anderen ebenso vertraut scheinen wie die eigene Stimme.

Die Operngeschichte nahm mit dem Freischütz ihren Anfang. Als Max beeindruckte Johann mit der immensen Leuchtkraft seiner Stimme und wurde insbesondere den heldischen Passagen dieser Rolle mehr als gerecht. Der Tamino in der Zauberflöte 2012 stellte ihn dann vor neue Herausforderungen, steht bei Mozart doch bereits eine Art Belcanto im Vordergrund, ein legatissimo fließender Schöngesang. War es hier zum ersten Mal, dass ich den Schmelz in seiner Stimme wahrnahm? Das weiß ich nicht mehr. Dafür erinnere ich mich genau an jenen Moment am Ende der Premiere, in dem wir uns gegenüberstanden, die Feuer- und Wasserprobe absolviert hatten, und glücklich, erleichtert und erschöpft waren.

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Wird es in der Traviata ähnlich sein? Der Alfredo verlangt Johann die Vereinigung der beiden vorherigen Partien ab. Lyrischer Schmelz und dramatische Strahlkraft, Innerstes nach Außen gewandt - das ist es, und nicht weniger, was Verdi seinen Hauptdarstellern abverlangt. Aber eins ist gewiss: Mit einem Kollegen wie Johann Penner an der Seite ist es pure Freude, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Der musikalische Weg Johann Penners zeichnete sich von Beginn an durch Vielseitigkeit aus. Er studierte sowohl Schulmusik als auch Gesang an den künstlerischen Hochschulen in Weimar und Detmold und versteht es noch heute, das pädagogische und das künstlerische Feld fruchtbar miteinander zu verknüpfen; so hatte er beispielsweise von 2009 – 2010 einen Lehrauftrag für Gesang an der Hochschule für Musik in Münster inne.

Schon während seines Gesangstudiums, welches er erfolgreich 2009 bei Wolfgang Tiemann abschloss, machte er sich in der Region als Konzert- und Oratoriensänger einen Namen, und so zählen heute neben zahlreichen Kantaten Johann Sebastian Bachs auch dessen Passionen sowie nahezu sämtliche bedeutenden Oratorien Händels, Haydns oder Rossinis in sein breit gefächertes Repertoire. Seine tenorale Strahlkraft wird dabei insbesondere in Bezug auf Beethovens 9. Sinfonie stets als herausragend empfunden.

Auch für das Opernfach kommen ihm Schmelz und stimmliche Präsenz zu Gute, so begeisterte er unter anderem schon mehrfach als Tamino in der Zauberflöte (u.a. am Landestheater Detmold) sowie als Max im Freischütz oder als Filipeto in Die vier Grobiane.