Francesco_Maria_Piave_-_Granger

Wer eigentlich war Francesco Maria Piave? 

Nun, in mancher Hinsicht durchaus etwas ähnliches wie Lorenzo da Ponte für Mozart.

1810 in Murano, der Glasmacherinsel in der Adria vor Venedig, geboren, widmete er sich auf Verlangen des Vaters kurzzeitig dem Theologiestudium, wandte sich dann aber bald der Literatur zu. Schon mit 32 Jahren wurde er Schauspieldirektor des namhaften Teatro La Fenice in Venedig und stieg dort sechs Jahre später zum Hauspoeten auf. 1859 wurde ihm dieselbe Würde zusätzlich am Teatro della Scala in Mailand übertragen. Piave besaß für Verdi also den Vorzug exzellenter Beziehungen zu zwei der wichtigsten Opernhäuser Italiens, was ihn wohl über manche dichterische Unzulänglichkeit seiner Erzeugnisse hinwegsehen ließ. Immerhin suchte Verdi die Zusammenarbeit mit Piave für zehn seiner Opern, angefangen mit der Bearbeitung von Victor Hugos Ernani 1844 bis zu La forza del destino 1862.

Daß die Beziehung zwischen Verdi und Piave dennoch nicht ausschließlich geschäftlicher Natur gewesen sein kann, ist aus der Tatsache ersichtlich, daß Verdi seinen langjährigen Librettisten, der seit einem 1867 erlittenen schweren Schlaganfall fast vollständig gelähmt war und seinem Beruf nicht mehr nachgehen konnte, neun Jahre lang durch großzügige finanzielle Zuwendungen unterstützte und nach seinem 1876 erfolgten Tod für ihn ein Ehrenbegräbnis in Mailand organisierte. Es ist dies eine der zahlreichen Begebenheiten aus dem Leben des größten italienischen Komponisten, die davon erzählen, daß er, der seinen künstlerischen Anspruch unnachsichtig verfolgte, seinen Mitarbeitern immer mit Warmherzigkeit und Mitgefühl begegnete, gleichgültig wie er ihre künstlerischen Fähigkeiten auch einschätzen mochte.